KI beim Online-Dating: 40 Prozent nutzen sie – doch 83 Prozent lehnen sie ab
40 Prozent der Befragten nutzen KI beim Dating. 83 Prozent lehnen es ab. Selbst unter den tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzern überwiegt die Ablehnung. Eine neue Umfrage der Partnervermittlung Gleichklang (n=408) zeigt, wer KI wirklich einsetzt – und was die Daten über diese Menschen verraten.
Auf einen Blick: Vier von zehn Gleichklang-Mitgliedern nutzen KI beim Online-Dating – aber 83 Prozent aller Befragten lehnen es ab. Selbst unter den tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzern überwiegt die Ablehnung (66,9 Prozent). Wer KI nutzt, unterscheidet sich kaum von denen, die es nicht tun: keine Unterschiede in Persönlichkeit, Bindungsstil oder Werten – außer einer etwas libertäreren politischen Haltung und weniger Interesse an Green Dating. Das zentrale Ergebnis einer neuen Umfrage der Partnervermittlung Gleichklang (n=408, August 2026).
Das klingt nach einem Widerspruch – und ist genau das: 40 Prozent der Singles nutzen KI beim Dating, während über vier Fünftel aller Befragten diese Praxis gleichzeitig ablehnen. Die Frage „Wer tut das eigentlich – und was sagt das über diese Person?" lässt sich jetzt mit Daten beantworten. Eine neue Umfrage der Partnervermittlung Gleichklang gibt erstmals einen systematischen Einblick, wer KI beim Online-Dating einsetzt, wie diese Menschen ihr Verhalten selbst bewerten – und was die Daten über ihre Persönlichkeit verraten.
Die Studie: 408 Befragte, breiter Fragenkatalog
Der Hannoveraner Psychologe Dr. Guido F. Gebauer führte die Befragung für Gleichklang durch. 408 Mitglieder der Plattform nahmen teil – 229 Frauen, 174 Männer, 5 nicht-binäre oder andere Personen. Der Fragebogen war umfangreich: 45 bis 60 Minuten Bearbeitungszeit. Er erfasste neben der KI-Nutzung auch Bindungsstile, die fünf großen Persönlichkeitsfaktoren (Big Five), Hochsensibilität, religiöse und spirituelle Haltungen sowie politische Grundeinstellungen.
Das Ziel war ein explorativer Überblick: Wer nutzt KI beim Dating – und unterscheiden sich diese Menschen systematisch von denen, die es nicht tun?
Vier von zehn haben KI schon eingesetzt
59,6 Prozent der Befragten haben KI nie für die Partnersuche genutzt. Die restlichen 40,4 Prozent haben sie in mindestens einem Bereich eingesetzt. Am häufigsten:
- Selbstbeschreibung im Profil: 27,0 Prozent
- Dating-Beratung: 19,6 Prozent
- Erstnachrichten: 19,1 Prozent
- Andere Antworten im Chat: 19,1 Prozent
- Fotobearbeitung oder -erstellung: 14,7 Prozent
Zwischen Männern und Frauen gab es dabei keine signifikanten Unterschiede in der Nutzungshäufigkeit. KI-Unterstützung beim Dating ist kein geschlechtsspezifisches Phänomen.
Eine Clusteranalyse teilte die Befragten in zwei Gruppen: 34,1 Prozent Nutzer:innen (die KI tatsächlich in mehreren Bereichen einsetzen) und 65,9 Prozent Nicht-Nutzer:innen. Auch bei den Nicht-Nutzer:innen hatten immerhin 9,7 Prozent KI gelegentlich zur Beratung genutzt – aber so punktuell, dass die Bezeichnung „Nicht-Nutzer:in" im Wesentlichen berechtigt bleibt.
83 Prozent lehnen ab, was viele trotzdem tun
Das Kernparadox: Die Nutzung ist verbreitet, die Ablehnung ist es noch mehr. 83,3 Prozent der Befragten bewerteten die eigene KI-Nutzung beim Dating als negativ oder eher negativ. Noch kritischer beurteilen sie, wenn andere es tun: 86,3 Prozent finden KI-Nutzung durch eine andere Person beim Dating negativ.
Das Bemerkenswerte: Diese Ablehnung schwächt sich zwar unter den tatsächlichen Nutzer:innen ab – verschwindet aber nicht.
- Unter Nutzer:innen: 66,9 Prozent bewerten die eigene KI-Nutzung negativ; 72,7 Prozent die Nutzung durch andere als negativ.
- Unter Nicht-Nutzer:innen: 91,8 Prozent bzw. 93,3 Prozent.
Die Pressemitteilung bringt es auf den Punkt: KI werde beim Online-Dating vorwiegend als „eher ungeliebtes Hilfsmittel" eingesetzt. Nur wenige identifizieren sich positiv damit. Die Nutzung ist geprägt von hoher Ambivalenz – man tut etwas, das man selbst nicht gutheißt, weil man sich kurzfristig einen Vorteil davon erhofft.
Wer nutzt KI? Kaum Unterschiede – das ist die eigentliche Überraschung
Das überraschendste Ergebnis der Studie: KI-Nutzer:innen beim Dating unterscheiden sich in erstaunlich wenig von denen, die es nicht tun. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich bei:
- Bindungsangst und Bindungsvermeidung
- Dating-Thrill und problematisch-suchhaftem Dating-Verhalten
- Big-Five-Persönlichkeitsfaktoren: Neurotizismus, soziale Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Offenheit für Erfahrungen
- Hochsensibilität
- Religiösen und spirituellen Haltungen
Gebauer selbst war überrascht: „Offenbar sagt die Nutzung von KI beim Online-Dating nichts oder nur sehr wenig über die Persönlichkeit der Nutzer:innen, ihre Bindungsstile und Haltungen zum Online-Dating, ihre religiösen, spirituellen und in großen Teilen auch politischen Einstellungen aus."
Die Vorstellung, dass sich KI-Nutzer:innen im Dating durch einen bestimmten Persönlichkeitstyp auszeichnen, lässt sich mit diesen Daten nicht stützen.
Zwei Unterschiede, die standhalten
Es gibt dennoch Bereiche, in denen Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen moderat voneinander abweichen.
Libertärere politische Grundhaltung: Nutzer:innen weisen eine signifikant stärkere Ausprägung in libertären politischen Einstellungen auf – stärkere Ablehnung von Tradition und Gehorsam, weniger Affinität zu repressiver Kriminalpolitik, stärkere Betonung individueller Rechte. Gebauer erklärt das psychologisch plausibel: Wer KI in einem so intimen Bereich wie der Partnersuche einsetzt, bricht gesellschaftliche Erwartungsnormen – das passt zu einem generell normkritischeren Weltbild.
Weniger Interesse an Green Dating: Bei Gleichklang, das sich explizit als Green-Dating-Plattform versteht, zeigt sich ein weiterer Unterschied. Unter Nutzer:innen gaben 34,4 Prozent an, Wert auf ökologisch ausgerichtete Partnersuche zu legen. Bei Nicht-Nutzer:innen waren es 45,8 Prozent. Gebauer sieht den Zusammenhang mit dem hohen Energieverbrauch großer KI-Sprachmodelle: Wer KI grundsätzlich für ressourcenintensiv hält, tendiert stärker zur Ablehnung.
Beide Unterschiede sind moderat – keine starken Prädiktoren, sondern eher Hinweise auf eine leicht andere Grundhaltung.
Was das für die Praxis bedeutet
Parship hat im Dating Kompass 2026 eine ähnliche Doppelbotschaft dokumentiert: Singles sind offen für Inspiration durch ChatGPT und Co. – Gesprächsideen holen, Formulierungshilfen nutzen. Aber KI-generierte Nachrichten gelten als Tabu. Die Gleichklang-Daten geben dieser Beobachtung eine Zahl: Tabu ist die Nutzung für die Mehrheit. Genutzt wird sie trotzdem.
Für das Dating-Profil als Aushängeschild der eigenen Persönlichkeit hat das konkrete Konsequenzen. Je mehr Menschen KI für Selbstbeschreibungen einsetzen, desto uniformer werden die Texte – und desto weniger verraten sie über die Person dahinter. Gebauer warnt vor genau dieser Entwicklung: KI könne die Authentizität von Profilen und Kommunikation langfristig untergraben.
Sein pragmatischer Rat lautet, „gerade jetzt, wo KI immer mehr zunehmen wird, möglichst bald zu realen Treffen in der Welt überzugehen, um die tatsächliche Resonanz miteinander erleben und tragfähige Beziehungen aufbauen zu können".
Wie KI-generierte Nachrichten das Vertrauen zwischen zwei Menschen verändern – auch wenn nur eine Seite KI nutzt – haben wir im Artikel zum Cyrano-Effekt im Dating aufbereitet. Was Deutsche sich von KI beim Dating wünschen (und wo sie klar die Grenze ziehen), zeigt die Bitkom-Studie 2026.
Häufige Fragen
- Wie viele Singles nutzen KI beim Online-Dating wirklich?
- Laut der Gleichklang-Umfrage vom August 2026 (n=408) haben 40,4 Prozent der Befragten KI in mindestens einem Bereich ihrer Partnersuche eingesetzt. Am häufigsten für die Selbstbeschreibung im Profil (27 Prozent), gefolgt von Dating-Beratung (19,6 Prozent) und Erstnachrichten (19,1 Prozent).
- Ist KI beim Dating eine Red Flag?
- Für die große Mehrheit ja: 83,3 Prozent der Befragten bewerteten die eigene KI-Nutzung beim Dating als negativ oder eher negativ. 86,3 Prozent stuften die KI-Nutzung durch eine andere Person als negativ ein. Das gilt auch unter den tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzern: Selbst dort lehnt eine Mehrheit von 66,9 Prozent die eigene Nutzung ab.
- Wer nutzt KI beim Dating – gibt es typische Persönlichkeitsmerkmale?
- Laut der Gleichklang-Studie kaum. Nutzerinnen und Nutzer von KI beim Online-Dating unterscheiden sich nicht signifikant in Bindungsangst, Bindungsvermeidung, den Big-Five-Persönlichkeitsfaktoren oder Hochsensibilität. Einziger konsistenter Unterschied: eine etwas libertärere politische Grundhaltung sowie weniger Interesse an Green Dating.
- Warum warnt der Studienleiter vor KI im Dating?
- Dr. Guido F. Gebauer (Gleichklang) sieht die Gefahr, dass KI-generierte Profile und Nachrichten die Authentizität beim Online-Dating untergraben. Sein praktischer Rat: möglichst früh zu echten Treffen übergehen, um zu erleben, ob die tatsächliche Resonanz stimmt.
Quellen anzeigen
- Gleichklang Limited / Dr. Guido F. Gebauer: „Künstliche Intelligenz beim Online-Dating: Genutzt, aber ungeliebt." Pressemitteilung via Presseportal, 24. August 2026. https://www.presseportal.de/pm/71147/6338418
- Parship: „Parship Dating Kompass 2026: Von Re:loving und KI – so datet Deutschland." Pressemitteilung, 27. November 2025. https://www.parship.de/presse/parship-dating-kompass-2026-von-reloving-und-ki-so-datet-deutschland/