Bitkom-Studie: Deutsche Singles wollen KI-Hilfe beim Dating — aber nicht beim Verlieben

Ein Drittel der Online-Dater würde KI-Hilfe beim Profil oder bei der Partnersuche annehmen — doch sobald es emotional wird, soll die KI sich raushalten. Zwei repräsentative Bitkom-Studien zeigen, wo Deutsche die Grenze ziehen.

Frau am hellen Küchentisch, nachdenklich auf ihr Smartphone schauend, Kaffeetasse daneben
Praktische Hilfe ja, Gefühle ersetzen nein — der Widerspruch vieler Singles im Jahr 2026. Foto: KI generiert Foto: KI generiert

Auf einen Blick: Zwei Bitkom-Studien zeichnen ein klares Bild: Ein Drittel der Online-Dating-Nutzer würde KI-Hilfe beim Daten annehmen. Doch sobald KI emotional wird, zieht die Mehrheit eine harte Grenze. 77 Prozent der Frauen und 69 Prozent der Männer finden KI in Liebesbeziehungen problematisch. Der Widerspruch zeigt: Die Deutschen wollen KI als Werkzeug, nicht als Gefühlsersatz.

Die Zahlen klingen zunächst widersprüchlich. Jede und jeder dritte Person, die beim Online-Dating aktiv ist, würde sich laut einer Bitkom-Umfrage von einer KI beraten lassen — bei Profiltexten, Gesprächseinstiegen, der Partnerauswahl. Gleichzeitig lehnen gut drei Viertel der Frauen und mehr als zwei Drittel der Männer KI in Liebesbeziehungen grundsätzlich ab. Beides ist wahr. Und der Widerspruch ist kein Zufall.

KI als Profilhelfer — aber bitte nicht als Partner

Bereits im Februar 2024 hatte der Digitalverband Bitkom repräsentativ gefragt, wie Deutsche zu KI im Online-Dating stehen. Das Ergebnis war überraschend offen: 33 Prozent der aktiven Online-Dater könnten sich vorstellen, von KI Unterstützung zu bekommen. 32 Prozent glauben, mit KI-Hilfe schneller die große Liebe zu finden. Und 31 Prozent würden einer KI bei der Partnerauswahl sogar mehr vertrauen als der eigenen Familie — eine Zahl, die weit weniger über Beziehungslosigkeit aussagt als über den Frust mit gut gemeinten, aber schlechten Tipps aus dem Umfeld.

Das klingt nach breiter Akzeptanz. Doch die Einschränkung ist entscheidend: Gemeint ist praktische Hilfe. Profil formulieren, Nachrichten verbessern, passende Matches finden — das sind Aufgaben, bei denen viele Menschen Unterstützung als sinnvoll empfinden. Die eigentliche Verbindung soll dann trotzdem zwischen Menschen entstehen.

77 Prozent der Frauen ziehen eine klare Grenze

Im März 2026 legte Bitkom mit einer umfangreicheren Studie nach. Erstmals fragte der Verband repräsentativ, wie KI in die Gefühlswelt der Deutschen vordringt — und wo die Grenzen liegen. 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzer wurden befragt, darunter 1.004 Personen, die KI-Anwendungen aktiv nutzen.

Das zentrale Ergebnis: 77 Prozent der Frauen und 69 Prozent der Männer finden es problematisch, wenn KI zu sehr in Liebesbeziehungen vordringt. Fast ebenso viele — 76 Prozent der Frauen, 68 Prozent der Männer — empfinden es als befremdlich, wenn Menschen emotionale Bindungen zu KI-Avataren aufbauen. Und 61 Prozent finden es grundsätzlich unangenehm, wenn jemand in der persönlichen Kommunikation auf KI-Formulierungshilfe zurückgreift.

Die Sorge dahinter: Wenn KI Texte schreibt, Gefühle formuliert und Nähe simuliert, verschwimmt, was an einem Menschen tatsächlich echt ist.

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Junge Generationen nähern sich der KI emotional an — und bemerken die Risiken selbst

Besonders bei der jüngeren Generation zeigt die Studie eine wachsende emotionale Nähe zur KI. 26 Prozent der KI-Nutzerinnen und -Nutzer insgesamt geben an, die KI fühle sich manchmal wie eine „digitale Bezugsperson" an — bei den unter 30-Jährigen sind es 32 Prozent. 11 Prozent empfinden mitunter echte emotionale Verbundenheit zur KI. Und 18 Prozent haben KI bereits für Fragen zu Familie, Freundschaft oder Partnerschaft eingesetzt; bei den unter 30-Jährigen liegt dieser Anteil bei 37 Prozent.

Das ist kein Befund für Panikmache. Aber er zeigt: Die Grenzen zwischen Werkzeug und Bezugsperson werden fließender. Und selbst innerhalb dieser Gruppe ist Skepsis vorhanden: 14 Prozent machen sich Sorgen, emotional von KI abhängig zu werden.

Was bedeutet das für Dating-Apps?

Die Antwort lässt sich aus den Zahlen ableiten: Singles wollen die Unterstützung, nicht die Übernahme. KI darf beim Profil helfen, beim Gesprächseinstieg, beim Einordnen von Verhalten. Was sie nicht soll: Gefühle simulieren, Nachrichten so formulieren, dass unklar ist, von wem sie kommen — und schon gar nicht als dauerhafter emotionaler Ersatz dienen.

65 Prozent der Deutschen sehen KI insgesamt als Risiko für Beziehungen und Freundschaften. Nur 22 Prozent sehen eine Chance. Und 54 Prozent glauben, dass KI menschliche Beziehungen in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern wird — ob sie das wollen oder nicht.

Apps wie Bumble, Tinder und Hinge investieren massiv in KI-Features. Die eigenen Nutzerinnen und Nutzer geben ihnen dabei eine klare Botschaft: Algorithmus gerne, echter Mensch am Ende trotzdem.

Häufige Fragen

Was hat die Bitkom-Studie 2026 über KI in Liebesbeziehungen herausgefunden?
Laut der repräsentativen Bitkom-Studie „KI kommt in der Liebe an" (März 2026, n=1.449 Internetnutzer*innen) finden 77 Prozent der Frauen und 69 Prozent der Männer es problematisch, wenn KI zu sehr in Liebesbeziehungen vordringt. 65 Prozent sehen KI insgesamt als Risiko für Freundschaften und Beziehungen.
Würden Deutsche beim Online-Dating KI-Rat annehmen?
Ja — laut einer Bitkom-Befragung (Februar 2024, n=1.013) würde sich jede und jeder dritte Online-Dating-Nutzer (33 Prozent) beim Dating von KI beraten lassen. 32 Prozent glauben sogar, mithilfe von KI schneller die große Liebe zu finden.
Wie verbreitet ist das Gefühl, von KI emotional verstanden zu werden?
Unter den KI-Nutzerinnen und -Nutzern sagen 26 Prozent, die KI fühle sich manchmal wie eine digitale Bezugsperson an. Bei den unter 30-Jährigen steigt dieser Wert auf 32 Prozent. 11 Prozent empfinden mitunter sogar eine echte emotionale Verbundenheit zur KI.
Könnten KI-Avatare echte Liebesbeziehungen ersetzen?
Für die große Mehrheit nein. Nur 11 Prozent der Männer und 4 Prozent der Frauen können sich laut Bitkom vorstellen, dass KI reale Liebes- oder Sexualbeziehungen ersetzt. Trotzdem können sich 18 Prozent vorstellen, einen KI-Avatar-Dienst zu testen — bei Männern unter 50 sind es bis zu 26 Prozent.
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