Cunnilingus: 12 ehrliche Tipps für Oralsex bei ihr
Guter Oralsex ist keine Zungen-Akrobatik, sondern Aufmerksamkeit plus ein bisschen Wissen. Hier ist beides: ehrlich, konkret und mit echten Studien statt Porno-Logik.
Auf einen Blick: Guter Cunnilingus ist Aufmerksamkeit, kein Zungen-Trick. Nur 18,4 % der Frauen kommen durch Penetration allein zum Orgasmus, Oralsex ist einer der größten Hebel gegen diese Lücke. Die Basics: langsam anfangen, Rhythmus halten statt Technik wechseln, auf der Zielgeraden nichts ändern. Und: Reden hängt messbar mit ihrem Orgasmus zusammen.
Als ich drei Freundinnen beim Wein erzählt habe, dass ich diesen Artikel schreibe, kam dreimal ungefragt derselbe Satz in unterschiedlicher Verpackung: „Sag den Leuten, sie sollen dranbleiben.” Nicht schneller. Nicht wilder. Dranbleiben.
Das hat mich stutzig gemacht, also habe ich mir angesehen, was zu „richtig lecken” so rankt. Das Ergebnis: Zungen-Alphabete, Heiß-Kalt-Spielchen, 69er-Romantik. Was in keinem einzigen Top-Artikel steht: eine Studie. Ernsthaft, die drei meistgelesenen deutschen Ratgeber zu diesem Thema kommen zusammen auf genau eine zitierte Quelle, und das ist ein Fachbuch von 2016. Dafür verlinken sie fleißig Toy-Shops.
Wir machen das hier anders. Mit echter Forschung, mit den Sätzen, die du wirklich sagen kannst, und ohne dass dir jemand etwas verkaufen will.
Warum ist Oralsex bei ihr so ein großes Thema?
Weil er die vielleicht wirksamste Antwort auf ein sehr gut belegtes Problem ist: den Orgasm Gap. In einer der größten Studien dazu (Frederick et al. 2018, über 52.000 Befragte) gaben 95 % der heterosexuellen Männer an, beim Sex meistens oder immer zum Orgasmus zu kommen. Bei heterosexuellen Frauen waren es 65 %.
Die aufschlussreichste Zahl steht dahinter: Lesbische Frauen kommen auf 86 %. Gleiche Anatomie, völlig anderes Ergebnis. Die Lücke ist also kein Bauplan-Problem, sondern ein Praxis-Problem. Es liegt daran, was im Bett passiert, nicht daran, was möglich wäre. Ein Review von Mahar et al. (2020) bringt es auf den Punkt: Unsere kulturelle Fixierung auf Penetration als „richtigen” Sex geht auf Kosten klitoral fokussierter Praktiken. Und genau da kommt deine Zunge ins Spiel.
Dieselbe Frederick-Studie fand die Kombination, die am stärksten mit dem Orgasmus von Frauen zusammenhängt (in Ratgebern gern „goldenes Trio” genannt): Frauen kamen am ehesten, wenn tiefes Küssen, Stimulation mit der Hand und Oralsex zum Geschlechtsverkehr dazukamen. Oralsex ist dabei kein exotisches Extra. Laut der GeSiD-Studie, der ersten großen repräsentativen Sexualbefragung in Deutschland (knapp 5.000 Befragte), ist Oralverkehr nach dem Vaginalverkehr die zweithäufigste Sexualpraktik. Bei den unter 35-Jährigen haben ihn rund sieben von zehn im letzten Jahr praktiziert.
Und der Mahar-Befund hat eine unbequeme Pointe für unsere Zielgruppe: Gerade beim unverbindlichen Sex bekommen Frauen seltener Oralsex und klitorale Stimulation als in Beziehungen. Ein Teil der Lücke ist also schlicht eine Frage dessen, wie viel Mühe man sich gibt. Kurz: Du liest hier nichts Exotisches, sondern über eine der wichtigsten Fähigkeiten für guten Sex, über die trotzdem kaum jemand ehrlich spricht.
Was solltest du über die Klitoris wissen, bevor du loslegst?
Das Wichtigste zuerst: Die Klitoris ist der einzige Körperteil des Menschen, dessen einziger bekannter Zweck Lust ist. Und der Teil, den du siehst, ist nur die Spitze.
Was ist die Klitoris wirklich?
Die Klitoris ist ein größtenteils innenliegendes Organ. Sichtbar ist nur die Klitoriseichel unter ihrem Häubchen am oberen Ende der Vulva. Das eigentliche Organ setzt sich im Körperinneren fort: Zwei Schenkel und zwei Schwellkörper ziehen sich nach unten und umschließen teilweise den Scheideneingang. Bei Erregung füllen sich diese Schwellkörper mit Blut, ähnlich wie bei einer Erektion, und die ganze Region wird empfindlicher und tritt stärker hervor.
Zwei Dinge folgen daraus für die Praxis. Erstens: Die Klitoris ist kein Knopf, den man drückt, sondern ein Netzwerk, das man weckt. Deshalb funktioniert Stimulation rund um die Eichel für viele besser als der direkte, harte Druck auf den empfindlichsten Punkt, besonders am Anfang. Zweitens: Erregung braucht Zeit. Wer der Schwellung ein paar Minuten gibt, bevor es intensiv wird, arbeitet mit der Anatomie statt gegen sie.
Wie zentral die Klitoris ist, zeigt eine repräsentative US-Studie von Herbenick et al. (2018) mit über 1.000 Frauen:
| Was Frauen über Orgasmen beim Geschlechtsverkehr berichten | Anteil |
|---|---|
| Penetration allein reicht für einen Orgasmus | 18,4 % |
| Klitorale Stimulation ist dafür notwendig | 36,6 % |
| Nicht zwingend nötig, aber der Orgasmus fühlt sich damit besser an | 36,0 % |
Anders gesagt: Für rund drei Viertel der Frauen ist klitorale Stimulation entweder Voraussetzung oder deutliche Verbesserung. Deine Zunge ist dafür besser geeignet als so ziemlich alles andere: warm, beweglich, sanft, präzise, und anpassungsfähiger als jedes Toy.
Genauso wichtig ist der zweite Befund, den dir keine Trick-Liste verrät: Die Streuung ist riesig. Was die eine liebt, findet die nächste unangenehm. Direkt oder indirekt, schnell oder langsam, viel Druck oder federleicht: Es gibt keine Universaltechnik, und jeder Ratgeber, der dir eine verspricht, optimiert die falsche Variable. Die richtige Variable ist deine Aufmerksamkeit.
Wie fängst du an? Konsens, Nervosität und die Duschfrage
Bevor irgendeine Zunge irgendetwas tut, kommt der Teil, den die meisten Ratgeber in einem Halbsatz abhandeln: Wollt ihr das gerade beide?
Fragen ist nicht unsexy. „Ich würde dich gern verwöhnen, magst du das?” ist ein Satz, der in der Realität deutlich öfter ein begeistertes Ja produziert als jede wortlose Abtauch-Aktion unter die Bettdecke. Gerade in der Kennenlernphase weißt du schlicht noch nicht, welche Erfahrungen die andere Person mitbringt. Manche Frauen lieben Oralsex, manche brauchen Vertrauen dafür, manche mögen ihn gar nicht. Alles davon ist okay, und nichts davon findest du ohne Worte heraus.
Dann die Nervosität, und zwar die auf ihrer Seite: Viele Frauen können Oralsex schwer genießen, weil im Kopf ein Programm läuft. Riecht das okay? Dauert das zu lang? Langweilt er sich? Wenn du eines aus diesem Abschnitt mitnimmst, dann das: Sag ihr, dass du das gern machst. Nicht einmal, sondern immer mal wieder. Ein ehrliches „Ich könnte das stundenlang machen” entspannt mehr als jede Technik.
Und die Duschfrage? Unkompliziert: Frisch geduscht ist für beide Seiten die angenehmste Ausgangslage, fertig. Eine gesunde Vulva riecht danach nach Vulva und nicht nach Rosenwasser. Wer etwas anderes erwartet, hat zu viel Werbung gesehen. Umgekehrt gilt: Wenn du selbst gerade erst ankommst und sie duschen will, ist das kein Abturner, sondern Fürsorge. Ein kleines Signal für Erregung ist übrigens, ob sie feucht wird. Das ist keine Pflicht-Anzeige und bei manchen Frauen zyklus- oder stressbedingt schwächer, aber es ist ein Hinweis, dass ihr Körper mitkommt. Wenn nicht, hilft mehr Zeit oder ein Tropfen wasserbasiertes Gleitgel, kein Drängeln.
Die 12 Tipps: Wie leckt man richtig?
Die Tipps sind in drei Phasen gegliedert, weil das die Logik ist, an der es am häufigsten scheitert: Die meisten fangen zu schnell an, wechseln zu oft und hören zu abrupt auf.
Phase 1: Ankommen (Tipps 1 bis 4)
1. Nimm den Umweg. Innenschenkel, Hüftknochen, Bauch, Venushügel: Die Spannung vor der ersten Berührung ist Teil der Stimulation. Wer direkt zur Klitoris springt, überspringt das, was sie erst empfänglich macht. Erregung braucht bei den meisten Frauen mehr Anlaufzeit als bei Männern. Gib ihr diese Zeit.
2. Die ganze Vulva ist das Instrument. Äußere und innere Schamlippen, der Bereich um den Scheideneingang, der Damm: Alles ist berührungsempfindlich. Lange, flache Züge über die gesamte Vulva sind ein besserer Einstieg als jede Punkt-Landung.
3. Flache Zunge, wenig Druck. Am Anfang ist die breite, weiche Seite deiner Zunge dein bestes Werkzeug. Die angespannte Zungenspitze mit Druck ist für viele Frauen zu Beginn schlicht zu viel, sie kommt später ins Spiel, wenn überhaupt.
4. Lies ihre Reaktionen und frag im Zweifel. Wird ihre Atmung tiefer? Kippt ihre Hüfte dir entgegen? Greift ihre Hand in dein Haar? Dann bist du richtig. Weicht sie leicht zurück oder wird still, ändere etwas. Und wenn du nicht sicher bist: „Magst du das?” ist mitten im Geschehen eine völlig legitime Frage.
Phase 2: Dranbleiben (Tipps 5 bis 9)
5. Finde einen Rhythmus und halte ihn. Hier trennt sich guter Oralsex von hektischem. Erregung baut sich bei den meisten Frauen über gleichmäßige, verlässliche Stimulation auf. Ständige Technik-Wechsel fühlen sich für dich kreativ an und werfen sie jedes Mal ein Stück zurück.
6. Lippen dazu. Die Kombination aus Zunge und Lippen, etwa die Klitoris sanft mit den Lippen umschließen und dabei die Zunge kreisen lassen, ist für viele intensiver als Zunge allein. Sanft ist hier das Schlüsselwort: kein Staubsauger-Ehrgeiz.
7. Nimm die Hände dazu. Eine Hand auf ihrem Bauch oder ihrer Hüfte hält Verbindung. Und ihre eigene Hand darf deine führen. Was sie dir damit zeigt, ist präziser als jedes gesprochene Feedback.
8. Finger sind optional, nicht obligatorisch. Manche Frauen lieben zusätzliche Finger, für andere lenkt es ab. Das ist keine Frage, die du raten musst: „Magst du mehr?” reicht. Falls ja: langsam, mit Gleitgel oder ihrer Feuchtigkeit, und die Zunge bleibt trotzdem die Hauptdarstellerin.
9. Lass hören, dass es dir gefällt. Ihre größte Ablenkung ist die Sorge, dir eine Last zu sein. Ein hörbares, echtes Genießen deinerseits ist deshalb keine Show-Einlage, sondern Information, die sie entspannt. Zwischen Vulva und Innenschenkel gemurmelte Sätze zählen doppelt.
Phase 3: Die Zielgerade (Tipps 10 bis 12)
10. Wenn sie kurz davor ist: Ändere. Nichts. Nicht schneller, nicht fester, keine neue Spezial-Technik als großes Finale. Genau das Gegenteil von dem, was Pornos vorleben. Wenn Atmung, Anspannung und Bewegung steigen, ist dein einziger Job Konstanz. Meine Freundinnen vom Anfang lassen grüßen: dranbleiben.
11. Nach dem Orgasmus: sanft ausklingen. Die Klitoris ist direkt danach oft extrem überempfindlich. Weiter volle Stimulation ist dann keine Zugabe, sondern unangenehm. Werde langsamer und weicher, verlagere die Berührung nach außen, oder komm einfach zu ihr hoch.
12. Kein Orgasmus ist kein Scheitern. Manchmal kommt sie nicht, wegen Stress, Zyklus, Medikamenten, Kopf. Wenn du dann Enttäuschung zeigst oder in den Ehrgeiz-Modus schaltest, lernt ihr Körper: Oralsex ist eine Prüfung. Sag stattdessen die Wahrheit, wenn sie stimmt, nämlich dass du es genossen hast. Genau dieser Druckabfall macht das nächste Mal wahrscheinlicher.
Was sagst du, ohne die Stimmung zu killen?
Jetzt zum größten blinden Fleck aller Ratgeber, die ich für diesen Artikel gelesen habe: Alle schreiben „redet miteinander”, keiner schreibt, was. Dabei ist die Datenlage eindrucksvoll. Eine Meta-Analyse über 48 Studien mit gut 12.000 Teilnehmenden (Mallory et al. 2019) zeigt, dass sexuelle Kommunikation mit praktisch allen Dimensionen sexueller Funktion zusammenhängt, und der Zusammenhang mit dem Orgasmus ist bei Frauen am stärksten.
Hier sind Sätze, die funktionieren. Zum Sagen, wenn du verwöhnst:
- „Zeig mir, was du magst.” (Der Klassiker, weil er ihr die Führung gibt.)
- „Mehr davon, oder lieber was anderes?” (Binär, leicht zu beantworten, mitten im Geschehen okay.)
- „Sag mir, wenn ich zu schnell bin.” (Nimmt ihr die Hürde, dich korrigieren zu müssen.)
Und zum Sagen, wenn du verwöhnt wirst:
- „Genau da. Bleib genau da.” (Der wichtigste Satz dieses Artikels.)
- „Etwas sanfter” oder „etwas fester”. (Kein Drama, keine Entschuldigung, einfach Regieanweisung.)
- „Darf ich deine Hand nehmen und dich führen?” (Wenn Worte gerade zu viel sind.)
Die Regel hinter allen sechs: kurz, konkret, positiv. „Du machst das falsch” hat im Bett nichts verloren, „so ist es perfekt” umso mehr. Und falls dir solche Sätze schwerfallen: Das ist Übungssache wie alles andere hier auch. Beim ersten Mal fühlt es sich mutig an, beim dritten Mal normal, beim zehnten Mal sexy.
Welche Positionen machen es für euch beide besser?
Ehrliche Antwort: Die Position ist weniger wichtig, als Stellungs-Galerien behaupten. Aber sie entscheidet über zwei Dinge, die wirklich zählen, nämlich ihren Winkel und deine Ausdauer. Wer verkrampft mit überstrecktem Nacken kniet, hört nach fünf Minuten auf, egal wie gut die Technik ist.
Sie liegt, Kissen unter der Hüfte. Der unterschätzte Standard. Das Kissen kippt ihr Becken nach oben, wodurch die Klitoris für deine Zunge zugänglicher wird und dein Nacken gerade bleibt. Für lange, entspannte Sessions die beste Wahl, und die Position, in der die meisten Frauen am leichtesten loslassen.
Sie sitzt auf deinem Gesicht. Klingt nach Porno, ist in Wahrheit die Position mit der besten Rückmeldung: Sie kontrolliert Druck, Tempo und Winkel selbst, du kannst dich aufs Reagieren konzentrieren. Für Frauen, die schwer loslassen können, oft ein Wendepunkt, weil niemand mehr „richtig zielen” muss.
Sie an der Bettkante, du davor kniend. Guter Winkel, freie Hände für zusätzliche Stimulation, dein Nacken bleibt gerade. Ein Kissen für deine Knie macht daraus eine Langstrecken-Position, und du hast ihren ganzen Körper im Blick.
Von hinten, sie kniet oder liegt auf dem Bauch. Ein anderer Winkel auf Vulva und Klitoris, den manche Frauen intensiver finden, weil die Zunge anders ansetzt. Weniger Augenkontakt, dafür mehr Hingabe, und gut für alle, die sich beobachtet unwohl fühlen.
69, mit realistischen Erwartungen. Gleichzeitig geben und empfangen klingt großartig und teilt in der Praxis die Konzentration. Als Vorspiel-Episode wunderbar, als Ziellinien-Strategie eher nicht, weil kaum jemand sich fallen lassen und gleichzeitig fokussiert arbeiten kann.
Woran hakt es am häufigsten?
Dein Kiefer macht schlapp?
Willkommen im Club, das ist Muskulatur wie jede andere. Drei Auswege: Position wechseln (Bettkante entlastet), die flache Zunge und Lippen mehr arbeiten lassen als die Zungenspitze, oder die Hand übernehmen lassen, während dein Mund Pause auf ihrem Innenschenkel macht. Eine Pause ist kein Abbruch. Angekündigt („Ich will noch nicht aufhören, ich brauch nur kurz”) ist sie sogar Teil des Spiels.
Sie kommt einfach nicht, wessen „Schuld” ist das?
Niemandes. Die Gründe reichen von Stress über hormonelle Verhütung und Antidepressiva bis zu der schlichten Tatsache, dass nicht jede sexuelle Begegnung in einem Orgasmus enden muss. Interessant ist der Kontext-Befund der Forschung: Gerade bei unverbindlichem Sex, in der Situationship oder beim One-Night-Stand, bekommen Frauen laut Mahar et al. (2020) deutlich seltener Oralsex und klitorale Stimulation als in Beziehungen. Die Lücke ist also auch eine Frage dessen, was man einander an Aufmerksamkeit gönnt. Wenn Sex für euch dauerhaft ein Stressthema ist, ist das übrigens kein Charakterfehler, sondern ein lösbares Problem. Was Paartherapie wirklich bringt, haben wir uns separat angesehen.
Unsicher wegen Geruch oder Geschmack?
Das Thema betrifft beide Seiten und wird fast nirgends ehrlich behandelt. Für sie gilt: Die Unsicherheit ist erlernt, nicht berechtigt. Intimdeos und „Frischetücher” sind Produkte, die ein Problem erst erfunden haben, und können die empfindliche Vulva-Flora sogar stören. Für dich gilt: Geschmack und Geruch variieren mit Zyklus, Ernährung und Tagesform, und das ist Biologie, kein Hygiene-Versagen. Wenn dich etwas dauerhaft stört, sprich es außerhalb des Schlafzimmers respektvoll an. Nur bei plötzlicher, deutlicher Veränderung ist der richtige Ansprechpartner die Frauenärztin, nicht die Parfümerie.
Wie sicher ist Oralsex, und was ist ein Lecktuch?
Jetzt der Teil, den die Ranking-Ratgeber in einem Nebensatz verstecken, obwohl er zu den meistgesuchten Fragen überhaupt gehört: Ja, auch beim Cunnilingus können sexuell übertragbare Infektionen weitergegeben werden.
Die gute Nachricht zuerst, weil sie die am meisten überschätzte Angst betrifft. Beim HIV-Risiko gibt die Aidshilfe Baden-Württemberg für die leckende Person Entwarnung: Selbst wenn Menstruationsblut aufgenommen wird, ist eine Übertragung praktisch kein Thema. Die realistische Nachricht: Für andere Infektionen gilt das nicht. Laut BZgA ist das Risiko beim Oralsex zwar geringer als bei Penetration, aber Gonorrhö kann übertragen werden, und für Herpes und Hepatitis A ist Oralverkehr sogar einer der häufigsten Übertragungswege.
Was heißt das praktisch? Wenn ihr euch gerade erst kennt, etwa nach einem frühen ersten Treffen aus der App, ist ein Lecktuch die sinnvolle Antwort: ein dünnes Latextuch, das auf die Vulva gelegt wird und den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten verhindert. Gibt es in Apotheken und online. Die BZgA nennt als Alternative ein längs aufgeschnittenes Kondom, dem man vorher die Spitze abschneidet. Ein Tropfen wasserbasiertes Gleitgel auf ihrer Seite sorgt dafür, dass trotzdem ordentlich Gefühl ankommt. Und in einer festen Beziehung mit gemeinsamem STI-Check ist der Verzicht darauf eine informierte Entscheidung. Der Punkt ist, dass ihr sie trefft, statt sie zu verdrängen.
Falls du dich fragst, warum du das hier zum ersten Mal liest: Safer-Sex-Absätze verkaufen keine Toys. Wir verlinken in diesem Ressort grundsätzlich keine Shops, auch deshalb kannst du uns die Empfehlungen glauben.
Was unterscheidet Technik von wirklich gutem Oralsex?
Zeit für die Einordnung, die diesem Artikel seinen Titel verpasst hat. Aus Redaktionssicht ist das größte Problem der üblichen „richtig lecken”-Ratgeber nicht, dass ihre Tricks falsch wären. Es ist, dass sie die falsche Variable optimieren: die Zunge statt die Aufmerksamkeit.
Die Forschung erzählt durchgängig dieselbe Geschichte, wenn man sie nebeneinanderlegt. Frauen kommen mit Frauen deutlich häufiger zum Orgasmus als mit Männern (Frederick et al.), nicht wegen besserer Zungen-Akrobatik, sondern weil dort mehr von dem passiert, was nachweislich wirkt: klitoraler Fokus, Zeit, Zuhören. Drei Viertel der Frauen brauchen klitorale Stimulation oder profitieren stark davon (Herbenick et al.). Und Paare, die über Vorlieben sprechen, haben messbar besseren Sex (Mallory et al.). Kein einziger dieser Befunde handelt von einer Spezialtechnik. Alle drei handeln von Aufmerksamkeit.
Deshalb ist das ehrlichste Fazit dieses Artikels kein dreizehnter Tipp, sondern eine Sortierung: Die zwölf Tipps oben sind das Handwerk, und Handwerk lohnt sich. Aber der Unterschied zwischen okay und unvergesslich liegt darin, ob sie spürt, dass du wirklich da bist, neugierig auf ihren Körper statt auf deine eigene Bestätigung. Das kann man nicht googeln. Das kann man nur üben, am besten heute Abend.
Häufige Fragen
- Wie geht guter Oralsex bei ihr?
- Langsam anfangen, die ganze Vulva einbeziehen statt sofort auf die Klitoris zu gehen, einen Rhythmus finden und ihn halten, sobald ihre Reaktionen stärker werden. Den einen Universaltrick gibt es nicht, weil Empfindlichkeit stark variiert. Wer fragt und auf Atmung und Bewegung achtet, ist besser als jede Technik-Liste.
- Kann man sich beim Lecken Krankheiten holen?
- Ja, das Risiko ist geringer als bei Penetration, aber real: Laut BZgA können unter anderem Gonorrhö, Herpes und Hepatitis A beim Oralsex übertragen werden. Das HIV-Risiko ist für die leckende Person laut Aidshilfe dagegen praktisch kein Thema. Bei neuen Partnerinnen schützt ein Lecktuch.
- Was ist ein Lecktuch und wo bekomme ich es?
- Ein Lecktuch (Dental Dam) ist ein dünnes Latextuch, das beim Oralsex auf die Vulva gelegt wird und den Kontakt mit Körperflüssigkeiten verhindert. Es gibt sie in Apotheken, Drogerien und online. Als Alternative nennt die BZgA ein aufgeschnittenes Kondom, dazu wasserbasiertes Gleitgel auf ihrer Seite, damit es sich gut anfühlt.
- Was tun, wenn sie beim Oralsex nicht kommt?
- Zuerst: Druck raus, für euch beide. Kein Orgasmus ist kein Scheitern, und Anfeuern macht es messbar schlimmer statt besser. Oft hilft Konstanz: Wenn etwas funktioniert, genau dabei bleiben statt die Technik zu wechseln. Und im Zweifel hilft die unbequemste, beste Frage: „Zeig mir, was du magst.”
- Wie lange dauert Cunnilingus normalerweise?
- Es gibt keinen Richtwert, der etwas taugt. Je nach Erregung, Tagesform und Zyklus kann es Minuten dauern oder deutlich länger. Wichtiger als die Uhr: kein Zeitdruck, Pausen sind erlaubt, Hände dürfen übernehmen, wenn der Kiefer müde wird. Sobald einer von beiden auf die imaginäre Stoppuhr schaut, ist die Stimmung ohnehin weg.
- Wie sage ich, was ich beim Oralsex mag?
- Kurz, konkret und positiv formulieren: „Genau da, bleib da” funktioniert besser als jede höfliche Umschreibung. Auch die Hand des Partners führen ist Kommunikation. Die Forschung ist hier eindeutig: Paare, die über sexuelle Vorlieben sprechen, berichten messbar bessere sexuelle Funktion, und bei Frauen hängt das besonders stark mit dem Orgasmus zusammen.
- Ist es normal, wegen Geruch oder Geschmack unsicher zu sein?
- Sehr, und zwar auf beiden Seiten. Viele Frauen sind angespannt, weil sie Werbung verinnerlicht haben, die Vulven nach Blumenwiese riechen lässt. Eine gesunde Vulva riecht nach Vulva, frisches Duschen reicht völlig. Nur bei plötzlicher, deutlicher Veränderung von Geruch oder Ausfluss gehört das Thema zur Frauenärztin statt ins Schlafzimmer.
- Kommt jede Frau durch Oralsex zum Orgasmus?
- Nein. Körper reagieren unterschiedlich, und auch mit perfekter Technik gibt es keine Garantie. Die Datenlage zeigt aber: Oralsex erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich. Frauen kommen laut einer großen US-Studie am ehesten zum Orgasmus, wenn tiefes Küssen, Stimulation mit der Hand und Oralsex zusammenkommen. Druck bewirkt das Gegenteil.
Quellen anzeigen
- Frederick, D. A., St. John, H. K., Garcia, J. R., & Lloyd, E. A. (2018). Differences in Orgasm Frequency Among Gay, Lesbian, Bisexual, and Heterosexual Men and Women in a U.S. National Sample. Archives of Sexual Behavior, 47(1), 273–288. DOI: 10.1007/s10508-017-0939-z
- Herbenick, D., Fu, T.-C., Arter, J., Sanders, S. A., & Dodge, B. (2018). Women's Experiences With Genital Touching, Sexual Pleasure, and Orgasm. Journal of Sex & Marital Therapy, 44(2), 201–212. DOI: 10.1080/0092623X.2017.1346530
- Mallory, A. B., Stanton, A. M., & Handy, A. B. (2019). Couples' Sexual Communication and Dimensions of Sexual Function: A Meta-Analysis. The Journal of Sex Research, 56(7), 882–898. Volltext (PMC)
- Mahar, E. A., Mintz, L. B., & Akers, B. M. (2020). Orgasm Equality: Scientific Findings and Societal Implications. Current Sexual Health Reports, 12, 24–32. DOI: 10.1007/s11930-020-00237-9
- GeSiD-Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland” (2020), UKE/BZgA: Informationsblätter mit Kernbefunden (PDF)
- Dekker, A., Matthiesen, S., Cerwenka, S., Otten, M., & Briken, P. (2020). Health, Sexual Activity, and Sexual Satisfaction — Selected Results From the GeSiD Study. Deutsches Ärzteblatt International, 117, 645–652. Volltext (PMC)
- BZgA / LIEBESLEBEN: Sexpraktiken und Schutz — STI-Risiko beim Oralsex und Lecktücher — Anwendung und aufgeschnittenes Kondom als Alternative
- Deutsche Aidshilfe (Landesverband Baden-Württemberg): Safer Sex und Oralverkehr — HIV-Risiko-Einordnung