Catfishing erkennen: Der komplette Leitfaden gegen Fake-Profile
Auf einen Blick: Catfishing ist die Konstruktion einer falschen Identität im Netz — mit gestohlenen Fotos, erfundenen Lebensläufen und teils monatelanger emotionaler Manipulation. Typische Warnsignale sind zu perfekte Profilfotos, fehlende Videoanrufe und Geschichten, die sich widersprechen. Die zuverlässigste Gegenmaßnahme ist die Bilderrückwärtssuche kombiniert mit einem ungeplanten Video-Call. Wer Geld überwiesen hat, sollte sofort die Bank und die Polizei kontaktieren.
Was ist Catfishing — und warum passiert es so oft?
Catfishing beschreibt das absichtliche Vortäuschen einer falschen Identität im digitalen Raum. Der Begriff stammt aus dem gleichnamigen Dokumentarfilm von 2010, in dem der Filmemacher Nev Schulman entdeckte, dass sein vermeintliches Online-Date eine komplett erfundene Person war. Seitdem ist der Begriff zum Oberbegriff für alle Varianten von Fake-Identitäten in sozialen Netzwerken und Dating-Apps geworden.
Die Motive sind unterschiedlicher als viele denken. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Polizeiliche Kriminalstatistik erfassen Catfishing nicht als eigenständigen Tatbestand — es taucht in der Statistik erst dann auf, wenn damit eine andere Straftat verbunden ist, am häufigsten Betrug. Doch nicht jede Person, die eine falsche Identität erschafft, verfolgt finanzielle Interessen. Forschungsarbeiten zur Online-Identitätsmanipulation zeigen, dass Catfisherinnen und Catfisher häufig aus einem von vier Motiven handeln: Sie wollen eine andere Version von sich selbst ausprobieren, sie stecken in einer emotionalen Einsamkeit und wollen Nähe ohne Konsequenzen, sie verfolgen rachsüchtige Absichten gegenüber einer bestimmten Person, oder sie sind Teil organisierter Betrugsstrukturen, die Fake-Profile im Akkord betreiben.
Der letzte Fall ist finanziell der gefährlichste. Die Übergänge zum sogenannten Romance Scam — auf den dieser Artikel an mehreren Stellen zurückkommt — sind dort fließend. Wer mehr darüber erfahren will, wie diese Betrugsmuster funktionieren, findet unter Romance Scams erkennen: Wie der Betrug funktioniert einen ausführlichen Pillar dazu.
Warum Dating-Apps besonders anfällig sind
Dating-Plattformen haben eine strukturelle Eigenschaft, die Fake-Profile begünstigt: Sie bieten hohe Anonymität bei gleichzeitig niedrigen Verifizierungshürden. Tinder verlangt lediglich eine Telefonnummer oder einen Facebook-Login. Instagram braucht nicht einmal eine echte E-Mail-Adresse, die überprüfbar wäre. Das macht es für Catfisherinnen und Catfisher einfach, in wenigen Minuten eine glaubwürdige Persona aufzubauen.
Hinzu kommt ein psychologischer Mechanismus, den die Forschung als „idealization bias" beschreibt: Wenn wir uns in jemanden online verlieben oder auch nur stark interessiert sind, neigen wir dazu, ambivalente Signale zugunsten des positiven Gesamteindrucks zu gewichten. Wir rationalisieren Widersprüche weg, weil wir die emotionale Verbindung nicht gefährden wollen. Genau diese Tendenz nutzen Catfisherinnen und Catfisher bewusst aus — nicht unbedingt durch kalkuliertes Vorgehen, aber es entsteht eine Schutzkraft für die falsche Identität: das eigene Wunschdenken des Opfers.
Kostenpflichtige Plattformen wie Parship oder ElitePartner haben niedrigere Fake-Raten, weil die Registrierung Aufwand kostet. Dass sie nicht immun sind, zeigen Berichte aus den Verbraucherzentralen, die regelmäßig Beschwerden über Fake-Profile auch auf Bezahl-Plattformen erhalten.
Die 9 stärksten Warnsignale für Fake-Profile
Einzelne Warnsignale rechtfertigen keinen Generalverdacht — aber mehrere in Kombination sollten dazu führen, die Verifizierung aktiv anzugehen.
1. Die Fotos wirken zu professionell oder zu perfekt
Profilbilder von echten Singles sind in der Regel eine bunte Mischung: Urlaubsfotos, Selfies aus schlechtem Licht, Bilder von Freundinnen-Abenden. Zeigt ein Profil ausschließlich hochauflösende, makellos ausgeleuchtete Porträts ohne erkennbaren persönlichen Kontext — keine erkennbaren Orte, keine Begleitpersonen, keine sichtbaren Alltags-Details — kann das auf gestohlenes Bildmaterial hinweisen. Catfisherinnen und Catfisher greifen häufig auf Fotos von Influencerinnen oder Influencern, Models oder Fitness-Accounts zurück, weil diese eine hohe Bildqualität und eine große Auswahl von Aufnahmen bieten.
2. Das Profil ist zu kurz und zu wenig persönlich
Eine Bio, die generisch klingt und auf Nachfragen keine konkreten Details liefert, ist ein Warnsignal. „Ich liebe es, zu reisen und neue Dinge auszuprobieren" beschreibt praktisch jeden. Gezielte Nachfragen — nach dem Lieblingsrestaurant in der genannten Heimatstadt, nach dem Namen der Schulfreundin im geteilten Foto — führen bei echten Menschen zu spontanen, konkreten Antworten. Bei Catfisherinnen und Catfishern entstehen häufig Pausen, Themenwechsel oder ausweichende Antworten.
3. Die Person ist nie für einen Videoanruf verfügbar
Das ist das stärkste einzelne Warnsignal. Wer über Wochen Textnachrichten im Minutentakt schreibt, aber jedes Mal eine Ausrede für fehlende Videoanrufe hat — kaputte Kamera, Schichtarbeit, gerade im Urlaub ohne gutes WLAN, familiärer Notfall — zeigt ein Muster, das sich nicht mit einer echten Beziehungsabsicht erklären lässt. Kleine technische Schwierigkeiten sind normal. Systematische Abwesenheit vor der Kamera nicht.
4. Die Lebensgeschichte ist zu dramatisch oder zu außergewöhnlich
Catfisherinnen und Catfisher bauen häufig Identitäten auf, die emotional berühren: Militärangehörige auf Einsatz im Ausland, Chirurginnen in humanitären Projekten, verwitwete Väter mit kleinen Kindern. Diese Profile erzeugen schnell Empathie und Schutzbedürfnis. Wenn dazu Krisensituationen kommen — plötzlicher Geldbedarf, Notfall, Ausrüstung gestohlen — ist die Kombination aus außergewöhnlichem Lebenslauf und regelmäßig auftretenden Problemen ein klares Muster.
5. Angaben widersprechen sich im Zeitverlauf
Notiere dir, was die Person in frühen Chats über sich erzählt hat: Beruf, Wohnort, Herkunft, Geschwister, Hobbys. Catfisherinnen und Catfisher haben keine reale Biografie, die sie konsistent abrufen können. Details ändern sich — aus drei Geschwistern werden zwei, aus dem Job als Ingenieur in Frankfurt plötzlich Stuttgart. Diese Abweichungen passieren, weil die falsche Identität nicht in einer echten Erinnerung verankert ist.
6. Die Profilgeschichte auf der Plattform ist sehr kurz
Viele Dating-Apps zeigen an, wie lange ein Konto besteht, oder lassen es zumindest indirekt erkennen. Ein Profil ohne frühe Posts oder eine erkennbar kürzliche Registrierung ist kein Beweis, aber in Kombination mit anderen Signalen ein Hinweis.
7. Die Person sucht schnell emotionale Intensität
Psychologisch ist das als „Love Bombing" bekannt — das rasche Aufbauen extremer emotionaler Nähe. Catfisherinnen und Catfisher müssen die Bindung des Opfers schnell sichern, bevor Zweifel entstehen. Wer nach wenigen Tagen schreibt, dass er oder sie noch nie so etwas gefühlt habe, dass die Person das Besonderste sei, das ihr begegnet ist — und dabei noch keine Minute mit dir per Video gesprochen hat — sollte kritisch hinterfragt werden.
8. Die Person will die Kommunikation schnell von der Plattform wegverlagern
Dating-Apps haben Melde- und Sperrfunktionen und werden von Plattform-Moderatorinnen beobachtet. Catfisherinnen und Catfisher drängen deshalb oft früh darauf, per WhatsApp, Telegram oder E-Mail weiterzuschreiben — Kanäle, die schwerer zu moderieren und zu melden sind.
9. Fotos sind auf sozialen Netzwerken nicht auffindbar
Eine echte Person, die angibt, einen bestimmten Beruf oder Wohnort zu haben, ist in der Regel in irgendeiner Form online präsent. Keine Instagram-Erwähnung, kein LinkedIn-Eintrag, keine alte Facebook-Seite — völlige digitale Unsichtbarkeit bei einer Person, die angeblich ein aktives soziales und berufliches Leben führt, passt nicht zusammen.
Schritt für Schritt: Wie du ein Profil verifizierst
Verdacht allein reicht nicht. Hier ist die Methodik, mit der sich ein Fake-Profil mit hoher Zuverlässigkeit entlarven oder ausschließen lässt.
Schritt 1: Bilderrückwärtssuche
Das ist der effektivste und schnellste erste Schritt. Lade ein Profilbild herunter oder kopiere den Bildlink und nutze eine der folgenden Methoden:
Google Bilder: Rufe images.google.com auf, klicke auf das Kamerasymbol und lade das Bild hoch oder füge die Bild-URL ein. Google sucht nach identischen oder ähnlichen Bildern im Netz. Wenn das Bild einem Instagram-Account mit einem anderen Namen, einer Stockfoto-Datenbank oder einer ausländischen Nachrichtenseite zugeordnet ist, ist das ein klares Zeichen.
TinEye: Die Suchmaschine tineye.com ist auf Bildersuche spezialisiert und findet häufig ältere oder weniger bekannte Quellen, die Google übersieht. Beide Dienste ergänzen sich, weshalb es sinnvoll ist, beide zu nutzen.
Was wenn das Bild nirgends auftaucht? Das bedeutet nicht automatisch, dass das Profil echt ist. Catfisherinnen und Catfisher können private Fotos von nicht-öffentlichen Accounts verwenden oder Bilder leicht manipulieren — spiegeln, zuschneiden, Farbfilter anwenden — um die Suche zu erschweren. Dann helfen die weiteren Schritte.
Schritt 2: Video-Call ohne Vorankündigung einfordern
Kündige einen Video-Call nicht mit langer Vorlaufzeit an. Schreib stattdessen: „Ich bin gerade zuhause und hätte jetzt Zeit — spontaner Video-Call?" Wer tatsächlich eine Kamera und ein Internet-Anschluss hat und guten Willen zeigen möchte, wird — selbst wenn es nicht perfekt passt — kurz ins Bild gehen. Wer auf einen ungeplanten Anruf mit einer durchdachten Ausrede reagiert, zeigt ein Muster.
Behalte im Hinterkopf: Menschen mit Kamera-Angst existieren. Ein einzelnes Nein ist kein Beweis. Aber ein Muster von Absagen über mehrere Wochen ist eines.
Schritt 3: Soziale Netzwerke systematisch durchsuchen
Suche den vollen Namen, den Beruf und den Wohnort der Person auf LinkedIn, Instagram, Facebook und Google kombiniert. Suche auch nach Variationen — Spitznamen, frühere Städte, frühere Arbeitgeber. Achte dabei auf das Erstellungsdatum von Accounts: Ein LinkedIn-Profil, das drei Monate alt ist und keinerlei Vernetzungen zeigt, für eine Person, die angeblich seit zehn Jahren in demselben Unternehmen arbeitet, passt nicht.
Schritt 4: Konsistenzprüfung durch gezielte Fragen
Stelle Fragen, die sich auf Details beziehen, die die Person in frühen Gesprächen erwähnt hat — aber verknüpfe sie mit einem Plausibilitätstest. Wenn jemand behauptet, in München aufgewachsen zu sein: „In welchem Viertel hast du gelebt?" Oder: „Welche U-Bahn hast du zur Schule genommen?" Echte Ortskenntnis zeigt sich in Spontaneität und Detail. Allgemeine Aussagen oder kurze Suchpausen vor der Antwort (manchmal als Tipp-Pause erkennbar) können ein Hinweis sein.
Schritt 5: E-Mail-Adresse und Telefonnummer prüfen
Gibt die Person eine E-Mail-Adresse an, kannst du diese bei Have I Been Pwned (haveibeenpwned.com) prüfen — die Seite zeigt an, ob die Adresse in bekannten Datenlecks aufgetaucht ist. Das beweist zwar nicht Echtheit oder Fake, gibt aber ein Bild davon, ob die Adresse überhaupt aktiv genutzt wird. Telefonummern können mit kostenlosen Diensten wie True Caller auf ihren Ursprung überprüft werden.
Was tun, wenn der Verdacht sich bestätigt?
Wenn die Bilderrückwärtssuche oder andere Methoden einen klaren Treffer liefern, stehst du vor einer Entscheidung. Die psychologische Schwierigkeit dabei — das sei hier klar benannt — ist groß: Es ist normal, dass emotionale Bindungen entstehen, auch wenn das Gegenüber nicht real ist. Das ist kein Zeichen von Naivität, sondern von emotionaler Offenheit. Catfisherinnen und Catfisher sind oft gut darin, echte Gefühle zu erzeugen.
Kein Geld überweisen — egal wie glaubhaft die Geschichte klingt. Das gilt auch dann, wenn die Bindung schon stark ist. Der Moment, in dem Geld fließt, markiert den Übergang zu einem Straftatbestand — und das Risiko, dass weitere Forderungen folgen, ist hoch.
Profil melden: Alle großen Plattformen — Tinder, Bumble, Hinge, Facebook, Instagram — haben Melde-Funktionen für Fake-Profile. Das hilft, andere Nutzerinnen und Nutzer zu schützen.
Kontakt abbrechen: Auch wenn es sich schwerfühlt — ein begründetes Schweigen ist die beste Option. Catfisherinnen und Catfisher sind häufig in der Lage, auf Konfrontation mit weiteren emotionalen Manövern zu reagieren.
Anzeige erstatten: Bei konkretem Schaden — Geldüberweisung, erhaltene oder gesendete intime Bilder, Identitätsmissbrauch — ist eine Anzeige sinnvoll. Das geht in vielen Bundesländern online über das Polizeiportal des jeweiligen Landes. Das BKA empfiehlt die zentrale Anlaufstelle über polizei-beratung.de, die auch Beratung zu Online-Betrug und Identitätsdiebstahl anbietet.
Beratung durch die Verbraucherzentrale: Die Verbraucherzentrale berät bei Online-Betrug; die Angebote sind je nach Bundesland und Thema kostenlos oder kostenpflichtig. Das ist besonders relevant, wenn bereits Geld überwiesen wurde und es um die Frage geht, welche rechtlichen Schritte möglich sind.
Ist Catfishing strafbar?
Das ist die Frage, die Betroffene zuerst stellen — und die ehrliche Antwort hat zwei Hälften. Die erste: Einen Paragrafen mit der Überschrift „Identitätsdiebstahl“ gibt es im deutschen Strafgesetzbuch nicht. In der amtlichen Inhaltsübersicht des StGB findest du weder „Identitätsdiebstahl“ noch „Identitätsmissbrauch“ oder „Identitätstäuschung“. Auch das Bundeskriminalamt und die Polizeiliche Kriminalprävention beschreiben Identitätsdiebstahl auf ihren Themenseiten nur als Phänomen, ohne einen eigenen Straftatbestand zu nennen.
Die zweite Hälfte: Straflos ist Catfishing deshalb nicht. In Betracht kommen die Begleittaten — also das, was mit der falschen Identität konkret gemacht wird. Ob eine dieser Normen in einem konkreten Fall greift, entscheiden am Ende Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Das sind die Normen, um die es geht:
- Betrug, § 263 StGB. Der naheliegende Paragraf, sobald Geld im Spiel ist. Die Norm verlangt, dass jemand in der Absicht handelt, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, und dabei durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Irrtum erregt und das Vermögen eines anderen beschädigt. Ein Fake-Profil allein, ohne Vermögensschaden, erfüllt § 263 StGB nicht. Ist dagegen Geld geflossen, weil dich jemand mit einer erfundenen Geschichte getäuscht hat, kommt Betrug in Betracht — dafür müssen aber alle Merkmale zusammenkommen: eine Täuschung, ein dadurch ausgelöster Irrtum, eine Vermögensverfügung, ein Schaden und die Absicht, sich oder einen Dritten rechtswidrig zu bereichern. Schon der Versuch ist strafbar (§ 263 Abs. 2 StGB).
- Recht am eigenen Bild, §§ 22, 23, 33 KunstUrhG. Für alle, deren Fotos gestohlen wurden, ist das die konkreteste Norm. Bildnisse dürfen nach § 22 KunstUrhG nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Ausnahmen des § 23 (Zeitgeschichte, Beiwerk, Versammlungen, höheres Interesse der Kunst) sind auf ein Fake-Dating-Profil nicht zugeschnitten — und selbst dort endet die Befugnis, wo ein berechtigtes Interesse der abgebildeten Person verletzt wird. § 33 KunstUrhG stellt das Verbreiten oder öffentliche Zurschaustellen entgegen §§ 22, 23 unter Strafe: bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Wichtig für die Praxis: Das ist ein Antragsdelikt — ohne Strafantrag der abgebildeten Person wird nicht verfolgt.
- Urheberrecht, §§ 72, 97 UrhG. Hier lohnt der genaue Blick, wem was zusteht: Lichtbilder sind nach § 72 UrhG geschützt, und dieses Recht steht dem Lichtbildner zu — also der Person, die das Foto aufgenommen hat. Bei einem Selfie bist das du selbst; hat dich jemand anders fotografiert, ist es diese Person. Über § 97 UrhG gibt es Ansprüche auf Beseitigung, Unterlassung und Schadensersatz, und der Unterlassungsanspruch besteht schon, wenn eine Zuwiderhandlung erstmalig droht. Lichtbildner können außerdem eine Entschädigung in Geld für Schäden verlangen, die keine Vermögensschäden sind — allerdings nur, wenn und soweit das der Billigkeit entspricht.
- Nachstellung, § 238 StGB. Relevant, wenn aus dem Fake-Profil ein Muster wird. Die Norm verlangt wiederholtes unbefugtes Nachstellen, das geeignet ist, die Lebensgestaltung der betroffenen Person nicht unerheblich zu beeinträchtigen. Ausdrücklich erfasst sind wiederholte Kontaktversuche über Kommunikationsmittel (Nr. 2), das Verbreiten einer Abbildung der Person (Nr. 6) und das Verbreiten von Inhalten unter Vortäuschung ihrer Urheberschaft, sofern diese Inhalte geeignet sind, die Person verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen (Nr. 7). Ein einmalig angelegtes Fake-Profil ohne Wiederholung erfüllt die Norm nicht. Dafür ist § 238 StGB kein Antragsdelikt: Die Polizei kann von Amts wegen ermitteln.
- Nötigung, § 240 StGB. Greift nicht schon beim Vortäuschen einer falschen Identität. Nötigung setzt Gewalt oder die Drohung mit einem empfindlichen Übel voraus — etwa der Veröffentlichung von Bildern oder der Information von Angehörigen — und die Drohung muss darauf zielen, jemanden zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zu bringen: zu einer Zahlung, zum Stillhalten, zu weiteren Aufnahmen. Hinzu kommt: Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist (§ 240 Abs. 2 StGB).
Der Streitpunkt: Ist ein Fake-Profil eine Fälschung?
Immer wieder liest man, ein Fake-Profil erfülle § 269 StGB (Fälschung beweiserheblicher Daten). So eindeutig ist das nicht. Der Gesetzeswortlaut verlangt, dass die gespeicherten Daten bei ihrer Wahrnehmung eine unechte oder verfälschte Urkunde ergeben würden. Dass in einem Online-Profil falsche Angaben stehen, genügt dem Wortlaut nach nicht automatisch.
Das Oberlandesgericht Hamm hat 2008 zu Accounts entschieden, die bei einer Online-Auktionsplattform unter falschen Personalien eröffnet wurden: Die bloße Eingabe von Name und Adresse gebe „keinen hinreichenden garantierten Rückschluss auf die Authentizität“ — im Netz herrsche insoweit eine für alle erkennbare „offene Anonymität“. Für den dort entschiedenen Fall verneinte das Gericht damit die für § 269 StGB nötige Urkundenqualität. Ob sich das auf Dating-Profile übertragen lässt, ist offen; eine Entscheidung speziell dazu ist uns nicht bekannt. Wer dir also erzählt, ein Fake-Profil sei „auf jeden Fall“ eine Datenfälschung, verkürzt eine offene Rechtsfrage: Die uns bekannte Entscheidung spricht dagegen, abschließend geklärt ist das nicht. Für dich als Betroffene oder Betroffener heißt das: Stütze dich lieber auf die Normen, die klarer sind — § 263 StGB, wenn Geld geflossen ist, und § 33 KunstUrhG, wenn deine Fotos verwendet wurden.
Zwei Normen, die seltener passen, als ihr Wortlaut vermuten lässt
- § 201a StGB schützt vor unbefugten Bildaufnahmen — dem Herstellen, Übertragen oder Zugänglichmachen von Aufnahmen, etwa aus Wohnungen oder anderen besonders geschützten Räumen. Das Verwenden eines fremden, harmlosen Profilfotos in einem Fake-Account erfasst die Norm nicht.
- § 42 BDSG passt auf ein einzelnes Fake-Profil in aller Regel ebenfalls nicht: Absatz 1 verlangt Daten einer großen Zahl von Personen und gewerbsmäßiges Handeln, Absatz 2 ein Handeln gegen Entgelt oder in Bereicherungs- beziehungsweise Schädigungsabsicht. Auch das ist ein Antragsdelikt.
Datenschutzrechtlich kommen daneben ein Löschanspruch (Art. 17 Abs. 1 lit. d DSGVO, wenn personenbezogene Daten unrechtmäßig verarbeitet wurden) und ein Anspruch auf Schadenersatz auch für immaterielle Schäden (Art. 82 Abs. 1 DSGVO) in Betracht. Ob und gegen wen sich diese Ansprüche im Einzelfall durchsetzen lassen — gegen die Plattform, gegen die Person hinter dem Profil —, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Und weil es hier um Paragrafen geht, gehört dieser Satz dazu: Dieser Abschnitt ordnet ein, was in den Gesetzen steht, und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob in deinem Fall welche Norm greift, kann nur eine Anwältin oder ein Anwalt beurteilen.
Catfishing vs. Romance Scam: Der entscheidende Unterschied
Es lohnt sich, die Begriffe sauber zu trennen. Catfishing ist das Oberphänomen — das Erschaffen einer falschen Identität. Die Motive dahinter können, wie beschrieben, vielfältig sein. Romance Scam ist dagegen immer finanziell motiviert: Die falsche Identität ist ein Instrument, um emotionale Bindung aufzubauen und diese dann in Geld zu konvertieren.
In Deutschland wird Romance Scam als Betrug nach § 263 StGB verfolgt. Eine eigene Schadensstatistik dafür gibt es hierzulande allerdings nicht — die Fälle gehen in der allgemeinen Betrugsstatistik auf. Belastbare Größenordnungen liefert deshalb bislang vor allem das US-amerikanische FBI: Für 2025 meldete dessen Internet Crime Complaint Center rund 929 Millionen Dollar Schaden durch Romance Scams, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen sind nicht auf Deutschland übertragbar, zeigen aber die Dimension. Dass die Dunkelziffer höher liegt, gilt als sicher: Viele Betroffene schämen sich und erstatten keine Anzeige.
Wer tiefer in die Mechanismen des finanziellen Betrugs durch falsche Online-Identitäten einsteigen will, findet unter Romance Scams erkennen: Wie der Betrug funktioniert eine vollständige Analyse.
Welcher Fall ist das — und was tust du zuerst?
Die Abgrenzung von eben lässt sich noch weiter auffächern, denn im Alltag laufen vier verschiedene Dinge unter denselben Begriffen. Und das ist mehr als Wortklauberei: Wovon du betroffen bist, entscheidet darüber, was als Nächstes ansteht — melden, Strafantrag stellen, Bank anrufen oder einfach die Plattform wechseln.
| Phänomen | Was passiert | Ziel dahinter | Dein erster Schritt |
|---|---|---|---|
| Catfishing | Eine Einzelperson baut eine erfundene Identität auf, häufig mit fremden Fotos, und hält den Kontakt über längere Zeit | Unterschiedlich: Neugier, Einsamkeit, eine andere Version von sich ausprobieren, Rache — nicht zwingend Geld | Beweise sichern, Profil melden, Kontakt beenden. Wenn deine eigenen Fotos verwendet wurden, kommt ein Strafantrag nach § 33 KunstUrhG in Betracht |
| Romance Scam | Dieselbe Mechanik, verbunden mit einer Geldforderung — eingeleitet meist über eine Notlage | Finanziell — das ist das unterscheidende Merkmal | Kontakt einstellen, Bank informieren, Anzeige erwägen. Betrug nach § 263 StGB kommt in Betracht, auch der Versuch kann strafbar sein |
| Fake-Profil der Plattform | Konten, die nicht von Privatpersonen betrieben werden, sondern zum Betrieb des Portals gehören — wie das funktioniert, steht in Chat-Animateure auf Dating-Portalen | Nicht auf dich als Person gerichtet | Zahlungen stoppen, Abo prüfen, Anbieter wechseln |
| Sextortion | Nach intimen Aufnahmen kippt der Ton: Es wird gedroht, die Bilder an Familie, Kolleginnen oder öffentlich zu schicken | Erpressung | Nicht zahlen, alles sichern, Anzeige. Mit der Drohung kann § 240 StGB (Nötigung) in Betracht kommen |
Die Spalte „Dein erster Schritt“ ordnet ein, was üblicherweise ansteht — sie ersetzt keine Rechtsberatung.
Die Übergänge sind fließend: Ein Catfishing-Kontakt kann nach Monaten in einen Romance Scam kippen, und aus einem Romance Scam kann Sextortion werden. Wie die Erpressungsvariante abläuft und was dann hilft, steht in Sextortion beim Online-Dating. Wenn du dich fragst, ob dein Gegenüber überhaupt ein Mensch ist, helfen KI-Fake-Profile auf Dating-Portalen und Deepfake-Betrug beim Dating erkennen weiter — Letzteres besonders dann, wenn ein Video-Call zwar zustande kommt, aber seltsam wirkt.
Wie häufig ist das in Deutschland?
Hier muss man ehrlich sein: Belastbare deutsche Fallzahlen speziell zu Catfishing gibt es nicht. Das Bundeslagebild Cybercrime des BKA hilft nicht weiter — sein Schwerpunkt sind Delikte, die sich gegen das Internet und informationstechnische Systeme richten; die Begriffe Catfishing, Romance Scam und Dating kommen im Bericht 2025 an keiner Stelle vor.
Die einzige offizielle Zahl in diesem Umfeld stammt aus dem Cybersicherheitsmonitor 2026 von BSI und Polizeilicher Kriminalprävention. Dort wurden im Januar 2026 online 3.060 Menschen ab 16 Jahren mit Internetzugang befragt. Von denen, die in den zurückliegenden zwölf Monaten von Cyberkriminalität betroffen waren (321 Personen), nannten 8 Prozent Love Scamming und 10 Prozent Identitätsdiebstahl. Diese Prozente beziehen sich also nicht auf die Bevölkerung, sondern auf eine kleine Teilgruppe — in absoluten Zahlen sind das rund 26 beziehungsweise 32 Personen, und die Werte schwanken zwischen den Jahren stark (Love Scamming: 7 Prozent 2023, 6 Prozent 2024, 3 Prozent 2025, 8 Prozent 2026). Als grobe Größenordnung taugt das, als Statistik über Catfishing nicht — Catfishing ohne Geldforderung ist von der Frage nach „Love Scamming“ nicht zwingend erfasst.
In ihrer Checkliste zum Identitätsdiebstahl beschreibt dieselbe Veröffentlichung, wie solche Konten entstehen: Täterinnen und Täter legen neue Benutzerkonten an und nutzen dafür frei verfügbare Bilder, etwa aus Social-Media-Posts, damit die Konten vertrauenswürdig erscheinen. Auch das BKA rät deshalb, Foto und Profil daraufhin zu prüfen, ob das Material anderweitig verwendet wurde — genau das leistet die Bilderrückwärtssuche.
Die psychologische Seite: Warum wir Warnsignale übersehen
Das ist die Frage, die die meisten Betroffenen im Nachhinein beschäftigt: Wie konnte ich das nicht sehen? Die Antwort ist weder Dummheit noch Naivität — sie liegt in gut beschriebenen psychologischen Mechanismen.
Confirmation Bias: Wir suchen unbewusst nach Belegen, die unsere bestehende positive Einschätzung bestätigen, und interpretieren mehrdeutige Hinweise zugunsten des Wunschbilds. Das gilt umso stärker, je mehr emotionale Energie wir bereits investiert haben.
Sunk Cost Fallacy: Je länger die Kommunikation, je mehr Zeit und Energie geflossen sind, desto schwerer fällt es, den Verlust zu akzeptieren. Dieser Mechanismus wird von Catfisherinnen und Catfishern unbewusst — oder bewusst — ausgenutzt: Je länger der Kontakt aufrechterhalten wird, desto stärker die Bindung, desto höher der psychologische Aufwand eines Ausstiegs.
Parasoziale Bindung: Psychologische Forschung zeigt, dass Menschen intensive emotionale Bindungen zu Personen entwickeln können, die sie nie getroffen haben — ein Phänomen, das ursprünglich bei Medienpersönlichkeiten beschrieben wurde. In Online-Beziehungen wirkt dieselbe Dynamik: Die Intensität von Textnachrichten und die Frequenz des Kontakts können echte Nähe simulieren, auch wenn das Gegenüber vollständig konstruiert ist.
Das bedeutet nicht, dass das Gefühl nicht real war. Es bedeutet, dass frühzeitige Verifizierung — bevor die Bindung entsteht — der wirksamste Schutz ist.
Plattformen und ihre Verifizierungsstandards im Überblick
Ein kurzer Vergleich gibt Orientierung, wie viel Schutz die jeweilige Plattform bietet:
| Plattform | Verifizierung | Melde-Funktion | Fake-Risiko |
|---|---|---|---|
| Tinder | Telefonnummer oder Facebook | Ja, direkt im Profil | Mittel–hoch |
| Bumble | Foto-Verifizierung optional | Ja | Mittel |
| Hinge | Verknüpfung mit Instagram möglich | Ja | Mittel |
| E-Mail oder Telefon | Ja | Hoch (kein Dating-Kontext) | |
| Parship | Profilprüfung durch Moderatoren | Ja | Gering–mittel |
| ElitePartner | Profilprüfung | Ja | Gering–mittel |
| Facebook-Gruppen | Facebook-Konto (wenig Verifizierung) | Ja | Hoch |
Die Foto-Verifizierung von Bumble — bei der Nutzerinnen und Nutzer eine bestimmte Pose einnehmen und diese per Selfie bestätigen — ist ein aktuell noch selten eingesetztes, aber wirksames Mittel gegen einfache Profilklone. Sie schützt allerdings nicht vor Personen, die zwar ein echtes Foto einreichen, aber eine erfundene Identität dahinter konstruieren.
Betroffen? Die Schritte in der richtigen Reihenfolge
Weiter oben stand schon, was zu tun ist, wenn sich der Verdacht bestätigt. Hier stehen dieselben Schritte im Detail — mit den konkreten Anforderungen, an denen es in der Praxis am häufigsten scheitert. Der erste Satz, den das BKA Betroffenen von Romantik-Betrug mitgibt, lautet übrigens: „Schämen Sie sich nicht!“ Das ist kein Trostpflaster, sondern praktisch gemeint: Was jetzt zählt, sind ein paar nüchterne Handgriffe. Es sind die Schritte, die BKA und Polizeiliche Kriminalprävention empfehlen — sortiert in der Reihenfolge, die aus unserer Sicht praktisch am meisten rettet. Die Beweissicherung ziehen wir bewusst nach vorn.
1. Beweise sichern — bevor du meldest
Ein gemeldetes Profil kann jederzeit verschwinden, und mit ihm alles, was du später brauchst. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt in ihrer Anleitung zu Kommentaren im Netz konkrete Anforderungen an verwertbare Screenshots — sie lassen sich eins zu eins auf Chatverläufe übertragen:
- Der Screenshot muss den gesamten Kommentar zeigen — bei einer Dating-App also die gesamte Nachricht —, dazu Datum und Uhrzeit sowie den Benutzernamen der mutmaßlich handelnden Person.
- Die Plattform muss erkennbar sein. Die Behörde formuliert das für Social-Media-Plattformen; für ein Dating-Portal gilt dasselbe.
- Sichere zusätzlich die URLs: zum Kommentar beziehungsweise Chat und zum Profil der mutmaßlich handelnden Person.
Behalte außerdem, soweit möglich, die komplette Kommunikation — Chat-Nachrichten, E-Mails, Sprachnachrichten. Das BKA empfiehlt das ausdrücklich, und die Polizeiliche Kriminalprävention rät bei Romance Scamming ebenfalls, alle Nachrichten als Beweis zu behalten. Mach die Bilderrückwärtssuche noch einmal mit Screenshot vom Ergebnis: Wo dasselbe Foto sonst noch auftaucht, ist Teil des Beweises.
2. Kontakt einstellen und das Profil melden
Das BKA rät, sofort jeglichen Kontakt einzustellen und den Vorfall der Seite zu melden, auf der der Kontakt entstanden ist. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt beides ebenfalls. Eine Rechtfertigung öffnet nur eine weitere Gesprächsrunde — Schweigen ist hier keine Unhöflichkeit, sondern Schutz. Und die Meldung schützt die Menschen, die als Nächste angeschrieben werden.
3. Anzeige erstatten — online geht das
Für Online-Anzeigen gibt es einen zentralen Einstieg: das gemeinsame Portal der Onlinewachen unter portal.onlinewache.polizei.de. Entscheidend für die Auswahl des Bundeslands ist der Ort, an dem das Ereignis stattgefunden hat — bei Internetdelikten oder unbekanntem Tatort wählst du dein eigenes Wohnbundesland. Die Polizei nennt Betrug und Hass im Netz ausdrücklich als Fälle, in denen die Online-Anzeige möglich ist.
Zwei Dinge dazu: Für Notfälle taugt das Portal nicht. Wenn Gewalt angedroht oder angewendet wurde, wende dich sofort an die Polizei — persönlich oder über den Notruf 110, nicht über das Formular. Und wenn deine Fotos für ein fremdes Profil benutzt wurden, denk an den Strafantrag: § 33 KunstUrhG wird nur auf Antrag verfolgt, du musst also aktiv werden. Bei wiederholtem Nachstellen (§ 238 StGB) kann die Polizei dagegen von sich aus ermitteln — ein Strafantrag ist dort nicht Voraussetzung.
4. Bei Geldfluss: die Bank
Hast du Kontodaten preisgegeben, wende dich an deine Bank — so steht es in der BKA-Empfehlung. Dasselbe gilt, wenn du bereits überwiesen hast. Ob sich eine Zahlung noch stoppen lässt, hängt vom Zahlungsweg und vom Zeitpunkt ab; frag deine Bank deshalb so früh wie möglich.
5. Wenn es um deine Bilder geht: wem welcher Anspruch zusteht
Neben der Strafanzeige gibt es den zivilrechtlichen Weg — dabei lohnt der Blick darauf, wer welchen Anspruch hat. Aus §§ 72, 97 UrhG (Beseitigung, Unterlassung, Schadensersatz) kann vorgehen, wer das Foto selbst aufgenommen hat: bei einem Selfie also du, bei einem Bild aus einem Shooting die Fotografin oder der Fotograf. Der Unterlassungsanspruch besteht dabei schon, wenn eine Zuwiderhandlung erstmalig droht. Als abgebildete Person stützt du dich dagegen auf §§ 22, 23 KunstUrhG — strafrechtlich flankiert von § 33 KunstUrhG, das nur auf Antrag verfolgt wird. Ob sich der zivilrechtliche Weg im Einzelfall lohnt, klärst du am besten anwaltlich; auch dieser Abschnitt ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
Was du konkret heute tun kannst
Schutz vor Catfishing ist kein einmaliger Akt, sondern eine Haltung. Einige konkrete Maßnahmen:
Eigene Fotos schützen: Deine öffentlichen Profilbilder auf Instagram oder Facebook können von jemandem für ein Fake-Profil genutzt werden — du könnst selbst zum unwissenden Opfer von Identitätsdiebstahl werden. Wer Bilder öffentlich postet, sollte das Risiko kennen. Regelmäßige Rückwärtssuche der eigenen Fotos hilft, Missbrauch früh zu erkennen.
Früh verifizieren, nicht erst spät: Die Bilderrückwärtssuche kostet 30 Sekunden. Sie ist am wirksamsten, bevor eine starke Bindung entstanden ist. Der richtige Zeitpunkt ist nach dem ersten Gespräch — nicht nach dem dritten Monat.
Gezielte Transparenz über deinen eigenen Aufenthaltsort: Wer Informationen über Wohnort, Arbeitsstelle und tägliche Routinen zu früh teilt, macht es leichter, ein glaubwürdiges Profil um diese Infos herum zu konstruieren. Warum du deinen Wohnort nicht zu früh verraten solltest — das gilt übrigens auch in umgekehrter Richtung: als Schutz deiner eigenen Daten vor unbekannten Kontakten.
Eine Grundregel für alle Plattformen: Echte Menschen sind bereit, sich zu zeigen. Wer dauerhaft ausweicht, hat einen Grund dafür.
Ressourcen und offizielle Anlaufstellen
Für Beratung, Meldung und rechtliche Einordnung sind folgende Stellen relevant:
Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter polizei-beratung.de hat spezifische Informationsseiten zu Online-Betrug, Identitätsdiebstahl und Romance Scam. Anzeigen können online über das jeweils zuständige Landesportal erstattet werden.
Die Verbraucherzentrale unter verbraucherzentrale.de berät bei Online-Betrug — je nach Bundesland und Thema kostenlos oder gegen Gebühr — und kann bei der Einschätzung helfen, ob und welche rechtlichen Schritte Sinn ergeben.
Das BKA-Lagebild Cybercrime erscheint jährlich und ordnet die Entwicklung der Online-Kriminalität in Deutschland ein. Wer konkrete Zahlen speziell zu Romance Scams sucht, wird eher beim FBI-Report des Internet Crime Complaint Center (IC3) fündig — mit dem Vorbehalt, dass es sich um US-Daten handelt.
Häufige Fragen
- Was ist der einfachste Weg, ein Fake-Profil zu entlarven?
- Die Bilderrückwärtssuche ist der schnellste erste Schritt: Profilbild per Google Images oder TinEye suchen. Taucht das Foto auf einer anderen Website oder unter einem anderen Namen auf, hast du deinen Beweis. Ergänzend hilft ein ungeplanter Video-Call — wer immer eine Ausrede findet, gibt einen starken Hinweis.
- Wie lange dauert es, bis Catfishing auffliegt?
- Das variiert stark. Manche Opfer bemerken es innerhalb von Wochen, weil die Inkonsistenzen sich häufen. Andere werden über Monate oder Jahre hingehalten, insbesondere wenn emotionale Abhängigkeit entstanden ist. Je früher du mit der Verifizierung anfängst — idealerweise nach dem ersten Kontakt — desto geringer das Risiko.
- Kann Catfishing strafbar sein?
- Einen eigenen Straftatbestand „Catfishing“ oder „Identitätsdiebstahl“ gibt es im deutschen Strafrecht nicht. Strafbar sind die Begleittaten: Wer durch die Täuschung einen Vermögensschaden verursacht und sich bereichern will, begeht Betrug (§ 263 StGB) — schon der Versuch ist strafbar. Wurden fremde Fotos verwendet, kann sich die abgebildete Person auf das Recht am eigenen Bild stützen: § 33 KunstUrhG stellt das Verbreiten oder öffentliche Zurschaustellen entgegen §§ 22, 23 KunstUrhG unter Strafe (bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe). Wichtig für die Praxis: Das ist ein Antragsdelikt — ohne Strafantrag der abgebildeten Person wird nicht verfolgt. Ob die Voraussetzungen im Einzelfall vorliegen, entscheiden Polizei und Gerichte; das ersetzt keine Rechtsberatung.
- Was unterscheidet Catfishing von Romance Scam?
- Catfishing bezeichnet das Erschaffen einer falschen Identität online — das Motiv kann Neugier, Rache, Stalking oder schlicht Einsamkeit sein. Romance Scam ist immer mit finanziellem Betrug verbunden: Die falsche Identität dient dazu, das Opfer emotional zu binden und dann Geld zu fordern. Jeder Romance Scam ist Catfishing, aber nicht jedes Catfishing ist Romance Scam.
- Was soll ich tun, wenn ich schon Geld überwiesen habe?
- Kontaktiere sofort deine Bank, um die Überweisung zu stoppen oder zurückzubuchen — je schneller, desto besser. Erstatte Anzeige bei der Polizei (online über die jeweilige Landespolizei möglich). Melde das Profil auf der betroffenen Plattform. Wende dich an die Verbraucherzentrale, die bei Betrug berät — je nach Bundesland und Thema kostenlos oder gegen Gebühr.
- Welche Plattformen sind am stärksten von Fake-Profilen betroffen?
- Besonders häufig tauchen Fake-Profile auf Tinder, Instagram und Facebook-Gruppen auf, wo die Anmeldehürde niedrig ist. Kostenpflichtige Plattformen wie Parship oder ElitePartner haben durch Verifizierungsprozesse niedrigere Fake-Raten — aber auch dort kommen Fake-Profile vor, sie sind nur seltener.
- Muss ich Strafantrag stellen oder ermittelt die Polizei von selbst?
- Das hängt von der Norm ab. § 33 KunstUrhG — die Strafvorschrift zum Recht am eigenen Bild, also der typische Fall gestohlener Profilfotos — wird ausdrücklich nur auf Antrag verfolgt: Ohne deinen Strafantrag wird die Tat nicht verfolgt. Auch § 42 BDSG ist ein Antragsdelikt. § 238 StGB (Nachstellung) enthält dagegen keine solche Regelung, hier kann die Polizei von Amts wegen ermitteln. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
- Was kann ich tun, wenn jemand meine Fotos für ein Fake-Profil benutzt?
- Bildnisse dürfen nach § 22 KunstUrhG nur mit deiner Einwilligung verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden; die Ausnahmen des § 23 (Zeitgeschichte, Beiwerk, Versammlungen, höheres Interesse der Kunst) sind auf ein Dating-Profil nicht zugeschnitten. Über § 33 KunstUrhG kann das strafbar sein — verfolgt wird die Tat aber nur auf deinen Strafantrag. Zusätzlich kann urheberrechtlich vorgehen, wer das Foto aufgenommen hat: §§ 72, 97 UrhG geben dem Lichtbildner Ansprüche auf Beseitigung, Unterlassung und Schadensersatz, bei einem Selfie also dir selbst. Sichere vorher Screenshots und die Profil-URL. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
- Wie sichere ich Beweise richtig, bevor ich ein Fake-Profil melde?
- Melde erst, wenn du gesichert hast — ein gemeldetes Profil kann jederzeit verschwinden. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt für verwertbare Screenshots: den gesamten Kommentar (bei einer Dating-App die gesamte Nachricht), Datum und Uhrzeit, den Benutzernamen der mutmaßlich handelnden Person — und die Plattform muss erkennbar sein. Zusätzlich sicherst du die URLs zum Chat und zum Profil. Das BKA rät außerdem, die komplette Kommunikation aufzubewahren.
- Wo erstatte ich Anzeige, wenn ich nicht weiß, wo der Täter sitzt?
- Über das gemeinsame Portal der Onlinewachen unter portal.onlinewache.polizei.de. Entscheidend für die Auswahl des Bundeslands ist der Ort, an dem das Ereignis stattgefunden hat — bei Internetdelikten oder unbekanntem Tatort wählst du dein eigenes Wohnbundesland. Die Polizei nennt Betrug ausdrücklich als Fall, in dem die Online-Anzeige möglich ist. Für Notfälle gilt das nicht: Bei angedrohter oder angewendeter Gewalt wendest du dich sofort an die Polizei — persönlich oder über den Notruf 110. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
Quellen anzeigen
- Bundeskriminalamt (BKA): Bundeslagebild Cybercrime (jährlich). bka.de
- FBI — Internet Crime Complaint Center (IC3): 2025 Internet Crime Report (PDF), veröffentlicht April 2026 — Schadenszahlen zu Romance Scams (US-Daten). ic3.gov
- § 33 i.V.m. §§ 22, 23 KunstUrhG (Recht am eigenen Bild, Strafvorschrift, Antragsdelikt). gesetze-im-internet.de
- § 263 StGB (Betrug). gesetze-im-internet.de
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Romance Scam / Love Scam. https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/sicher-handeln/onlinebetrug-maschen/romance-scamming-liebesbetrug/
- Verbraucherzentrale: Betrug im Internet. verbraucherzentrale.de/beratung
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- TinEye Reverse Image Search: https://tineye.com
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- Have I Been Pwned (E-Mail-Prüfung): https://haveibeenpwned.com
- § 238 StGB (Nachstellung), Strafgesetzbuch, amtliche Fassung. gesetze-im-internet.de/stgb/__238.html
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- Art. 17 DSGVO (Recht auf Löschung) und Art. 82 DSGVO (Haftung und Recht auf Schadenersatz). Art. 17 DSGVO, Art. 82 DSGVO
- Bundeskriminalamt (BKA): Themenseite Identitätsdiebstahl. bka.de – Identitätsdiebstahl
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Identitätsdiebstahl. polizei-beratung.de – Identitätsdiebstahl
- BSI und Polizeiliche Kriminalprävention: Cybersicherheitsmonitor 2026 (CyMon), Kurzbericht, S. 5, 7, 11 und 12. Cybersicherheitsmonitor 2026 (PDF)
- Bundeskriminalamt: Bundeslagebild Cybercrime 2025 (erschienen 15. Mai 2026) — enthält die Begriffe Catfishing, Romance Scam und Dating nicht. Bundeslagebild Cybercrime 2025 (PDF)
- Polizeiliche Kriminalprävention: Digitale Beweise sichern — rechtssichere Screenshots erstellen (19.02.2025). polizei-beratung.de – Beweissicherung
- Onlinewachen der Polizeien in Deutschland, gemeinsames Portal. portal.onlinewache.polizei.de
- polizei.de: Onlinewache — Anzeige online erstatten. polizei.de – Onlinewache
- Bundeskriminalamt: Infografik „Romantik Betrug“ (#CyberScams). BKA – Romantik Betrug (PDF)