Gemeinsam laufen, gleiche Playlist: Was zwei neue Studien über Paarbeziehungen zeigen
Auf einen Blick: Eine BYU-Studie mit knapp 1.700 jungen Ehepaaren zeigt: Gemeinsames Sporttreiben hängt mit besserer Kommunikation und weniger Konflikten zusammen – stärker als Einzeltraining. Eine österreichische Studie der Universität Innsbruck mit 309 Paaren findet, dass Paare sich im Musikgeschmack deutlich ähnlicher sind als in Persönlichkeit oder Werten. Die Zusammenhänge mit der Beziehungszufriedenheit sind klein und korrelativ – aber konsistent genug, um sie ernst zu nehmen.
Zwei Studien, beide im August 2026 publiziert, beide aus der Paarforschung, beide mit einem ähnlichen Befund: Es sind oft die unspektakulären Gemeinsamkeiten, die Beziehungen stabiler machen. Kein großes Liebesgeständnis, keine aufwendige Beziehungstherapie – sondern ein abendlicher Spaziergang zu zweit. Oder eine geteilte Lieblingsband.
Studie 1: Gemeinsam in Bewegung – BYU untersucht 1.700 Ehepaare
Das Forschungsteam um Jeremy Yorgason von der Brigham Young University (BYU) wertete Daten aus der nationalen US-Langzeitstudie Couple Relationships and Transition Experiences (CREATE) aus, die junge Ehepaare seit mehr als einem Jahrzehnt begleitet. Die aktuelle Auswertung basiert auf Querschnittsdaten von knapp 1.700 Paaren.
Das Ergebnis, veröffentlicht im Fachjournal Family Relations: Paare, die gemeinsam Sport trieben, schnitten in allen drei untersuchten Bereichen besser ab als Paare ohne gemeinsame sportliche Routine – in der Kommunikation, in der Konfliktlösung und beim Ausmaß der Konflikte in der Ehe. Einzeltraining war ebenfalls mit positiven Werten verknüpft, schnitt aber in allen drei Dimensionen konsistent schlechter ab als gemeinsames Training.
Besonders auffällig: Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, Sport zu treiben. Doch nur etwa ein Drittel bewegte sich gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin. „Damit betreibt ungefähr die Hälfte aller sportlich aktiven Menschen keinen Sport mit ihrem Ehepartner", sagt Yorgason. „Der Effekt ist nicht unbedingt groß, aber er zeigt sich sehr konsistent."
Spazierengehen an der Spitze
Was überrascht: Die mit Abstand häufigste Form gemeinsamer Bewegung war kein Crossfit-Kurs und kein Fitnessstudio-Abo, sondern das schlichte Spazierengehen. Co-Autorin Ashlyn Hiatt Mildenhall erklärt das so: „Es bietet ganz natürlich Gelegenheiten zum Reden." Gehen schafft Raum für Gespräche, ohne den Leistungsdruck anderer Sportarten.
Paare, die gemeinsam aktiv waren, berichteten außerdem, sich stärker gehört und unterstützt zu fühlen. Genau das, so die Forschenden, könnte die Verbindung zur besseren Kommunikation und Konfliktlösung erklären.
Ein Vorbehalt bleibt: Die Studie ist korrelativ. Sie kann nicht beweisen, dass gemeinsamer Sport die Ursache für eine glücklichere Beziehung ist. Genauso gut könnten Paare, die ohnehin zufriedener sind, einfach häufiger gemeinsam aktiv sein.
Studie 2: Gleiche Musik, ähnliche Werte? – Universität Innsbruck mit 309 Paaren
Parallel dazu veröffentlichte ein Team um die Psychologin Julia Vigl von der Universität Innsbruck in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science eine Untersuchung über Musikgeschmack und Paarkompatibilität.
In drei Teilstudien mit insgesamt 309 Paaren – vorwiegend aus Deutschland und Österreich – verglichen die Forschenden, wie ähnlich sich Paare in drei Bereichen sind: Musikgeschmack, Persönlichkeit und Wertevorstellungen. Dabei nutzten sie sowohl Genre-basierte als auch Künstler-basierte Messungen und verglichen echte Paare mit zufällig zusammengewürfelten Pseudo-Paaren.
Das auffälligste Ergebnis: Beim Musikgeschmack war die Übereinstimmung unter echten Paaren deutlich größer als bei Pseudo-Paaren – mit einer großen Effektstärke von d = 0,93. Das übertraf die Ähnlichkeit in Persönlichkeitsmerkmalen und Wertvorstellungen deutlich. „Das hat uns überrascht, wie groß der Effekt hier ist", sagte Vigl der Süddeutschen Zeitung (zitiert nach WEB.DE).
Musik als soziales Abzeichen
Die Forschenden erklären das Phänomen mit der besonderen Signalfunktion von Musik: Lieblingsgenres und verehrte Künstler fungierten als eine Art „soziales Abzeichen", das Rückschlüsse auf Identität, Lebensstil und emotionale Strategien erlaube. Wer ähnliche Musik möge, teile womöglich auch ähnliche Strategien der Emotionsregulation – was gegenseitiges Verstehen erleichtere.
Zwischen Musikähnlichkeit und Beziehungsqualität fanden die Forschenden kleine positive Zusammenhänge. Auch hier bleibt ein wichtiger Vorbehalt: Die Studien wurden nicht präregistriert, die Stichproben sind überwiegend jung und akademisch geprägt, und Kausalität lässt sich nicht belegen.
Was beide Studien gemeinsam haben – und was nicht
Beide Untersuchungen zeigen dasselbe Muster: Geteilte Vorlieben und Aktivitäten gehen mit einer höheren Beziehungsqualität einher. Die Effekte sind real, aber nicht groß. Beide Forschungsteams betonen, dass zufriedene Paare schlicht häufiger Dinge teilen – nicht unbedingt, dass das Teilen die Zufriedenheit erzeugt.
Was das für Singles bedeutet: Es lohnt sich wahrscheinlich weniger, auf spektakuläre Ersteindruck-Momente zu hoffen, als auf Alltags-Kompatibilität zu achten. Joggt ihr gerne zusammen? Entsteht auf langen Spaziergängen das Gespräch von alleine? Hört ihr ähnliche Musik? Das sind keine Kleinigkeiten – das ist Forschungsgegenstand.
Häufige Fragen
- Welche zwei Gemeinsamkeiten stärken laut neuen Studien eine Beziehung am stärksten?
- Gemeinsames Sporttreiben und ein ähnlicher Musikgeschmack. Eine BYU-Studie (n=1.700 Paare) zeigte, dass gemeinsame körperliche Aktivität mit besserer Kommunikation und weniger Konflikten zusammenhängt. Eine Uni-Innsbruck-Studie (n=309 Paare) fand, dass Paare sich im Musikgeschmack deutlich stärker ähneln als in Persönlichkeit oder Werten – und dass diese Übereinstimmung mit etwas höherer Beziehungsqualität einhergeht.
- Muss man zum gleichen Verein oder zur gleichen Laufgruppe, um von gemeinsamer Bewegung zu profitieren?
- Nein. Die häufigste Form gemeinsamer Bewegung in der BYU-Studie war schlicht Spazierengehen. Laut Co-Autorin Ashlyn Hiatt Mildenhall bietet das Gehen ganz natürlich Raum für Gespräche – kein teures Abo nötig.
- Bedeuten diese Studien, dass man dieselbe Musik mögen muss, um eine gute Beziehung zu haben?
- Nein. Der Zusammenhang mit der Beziehungsqualität ist statistisch nachweisbar, aber klein. Beide Studien warnen vor Kausalschlüssen: Zufriedene Paare teilen möglicherweise eher Aktivitäten und Vorlieben, weil sie zufriedener sind – nicht andersherum. Die Studien zeigen eine Korrelation, keinen Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Quellen anzeigen
- Mildenhall, A., Núñez, M.L. & Yorgason, J.B. (2026). Conjoint Exercise among young married couples: Exploring associations with couple conflict, conflict resolution, and communication. Family Relations. DOI: 10.1111/fare.70260
- EurekAlert/BYU (2026, 10. August). Want a happier marriage? New study suggests one simple habit. American Association for the Advancement of Science.
- Vigl, J., Ihrig, F.L., Greif, M. & Zentner, M. (2026). Harmonies of Taste: Shared Music Preferences and Compatibility in Romantic Relationships. Social Psychological and Personality Science. DOI: 10.1177/19485506261472146
- WEB.DE (2026, 26. August). Diese Gemeinsamkeiten stärken Paarbeziehungen und fördern das Glück