Studie: Verliebtheit ist keine Voraussetzung – 5 von 7 Beziehungsanfängen führen zum gleichen Glück

Zwei Menschen Anfang 30 suchen lachend zusammen Obst an einem sonnigen Wochenmarktstand aus
Kein Herzklopfen beim ersten Treffen? Laut einer neuen Studie kaum relevant für das spätere Beziehungsglück. Foto: KI generiert

Auf einen Blick:

  • Neue Gleichklang-Studie (2026, n=878): 7 Typen von Beziehungsanfängen verglichen
  • 5 von 7 Anfangsformen führen zu statistisch gleicher Beziehungszufriedenheit – ob Verliebtheit, Freundschaft-first oder langsames Wachsen
  • Nur Aversion (aktive Abneigung) und Ambivalenz bedeuten statistisch schlechtere Prognosen
  • Kein Geschlechtseffekt: Männer und Frauen zeigen identische Muster
  • Bestehende Beziehungen: Ø 8,33 von 11 Punkten Beziehungszufriedenheit

Schmetterlinge im Bauch gelten als Beweis, dass es die Richtige oder der Richtige ist. Wer sie nicht spürt, zweifelt. Lohnt es sich überhaupt? War das erste Date zu langweilig? Sollte man nochmal mit jemandem ausgehen, den man nett, aber nicht aufregend findet?

Eine neue Studie aus Deutschland gibt auf all diese Fragen eine ziemlich klare Antwort: Die Anfangsgefühle sagen kaum etwas darüber aus, ob eine Beziehung glücklich wird.

Was die Studie untersucht hat

Dr. Guido F. Gebauer, Psychologe und Gründer der Partnervermittlung Gleichklang.de in Hannover, hat 878 Menschen zu ihren vergangenen und aktuellen Beziehungen befragt – 493 Frauen, 369 Männer und 16 nicht-binäre Personen. 758 der Beziehungen waren bereits beendet, 120 liefen zum Zeitpunkt der Befragung noch.

Gebauer ließ die Teilnehmenden beschreiben, wie ihre Beziehung begonnen hatte, und ordnete die Antworten sieben Kategorien zu. Auf einer Skala von 1 bis 11 (neutraler Mittelpunkt 6) maß er anschließend, wie zufrieden die Befragten mit der Beziehung insgesamt und mit der sexuellen Seite waren. Die Studie wurde am 16. Juni 2026 veröffentlicht.

Sieben Wege in eine Beziehung

Wie häufig kommen die verschiedenen Anfangsformen vor? Das Ergebnis der Studie:

  • Verliebtheit (klassisches Schmetterlinge-Gefühl): 47,6 %
  • Freundschaft zu Liebe (langsam gewachsen): 27,5 %
  • Kein klares Muster: 14,6 %
  • Reine Freundschaft (ohne Liebeskomponente): 3,6 %
  • Ambivalenz (gleichzeitige Anziehung und Abstoßung): 3,3 %
  • Liebe ohne Verliebtheit (tiefe Verbundenheit, kein Kribbeln): 2,2 %
  • Aversion (anfängliche Abneigung): 1,3 %

Fast jede zweite Beziehung beginnt also klassisch mit Verliebtheit. Aber mehr als jede dritte entsteht auf einem anderen Weg – und genau das ist die eigentliche Nachricht der Studie.

Das überraschende Ergebnis

Fünf der sieben Anfangsformen – Verliebtheit, Freundschaft zu Liebe, kein klares Muster, reine Freundschaft und Liebe ohne Verliebtheit – führten zu statistisch nicht unterscheidbarer Beziehungszufriedenheit. Alle fünf lagen deutlich über dem Mittelwert von 6.

Anders formuliert: Ob jemand von Anfang an verrückt nach der anderen Person war oder ob sich die Liebe über Monate aus einer Freundschaft entwickelt hat – das spätere Ergebnis ist statistisch dasselbe. Die Beziehungsqualität hängt nicht vom emotionalen Einstieg ab.

Für bestehende Beziehungen lag die durchschnittliche Zufriedenheit über alle Typen hinweg bei 8,33 von 11 Punkten, die sexuelle Zufriedenheit bei 8,06. Bei beendeten Beziehungen waren es 6,50 und 6,55 – also immer noch über dem Mittelwert, was zeigt, dass viele Beziehungen trotz Ende als positiv bewertet werden.

Eine Frau sitzt mit einem türkisfarbenen Becher auf einem Sofa im Sonnenlicht und lächelt nachdenklich auf ihr Handy
Langsame Liebe oder Schmetterlinge: Die Studie zeigt, dass der Anfang für die Beziehungsqualität kaum eine Rolle spielt

Die zwei Ausnahmen: Aversion und Ambivalenz

Nur bei zwei Anfangsformen sieht die Prognose statistisch schlechter aus: Aversion und Ambivalenz. Beide führten zu signifikant niedrigerer Beziehungs- und sexueller Zufriedenheit als alle anderen Typen – und zwar unter den Skalenmittelwert.

Das macht psychologisch Sinn: Wer von Anfang an echte Abneigung gegen die andere Person empfindet oder wer dauerhaft zwischen Anziehung und Abstoßung hin- und hergerissen ist, trägt strukturelle Widersprüche in die Beziehung. Das ist schwer aufzuholen – aber nicht unmöglich. Rund 20 Prozent der Beziehungen mit Aversions-Beginn lagen noch über dem Zufriedenheitsmittelwert. Keine Anfangsform ist ein absolutes Urteil.

Eine Nuance bei sexueller Zufriedenheit

Freundschaft-first funktioniert – mit einer Einschränkung. Beziehungen, die aus reiner Freundschaft ohne jede Liebeskomponente entstanden, zeigten von allen nicht-problematischen Anfangsformen die zweitniedrigste sexuelle Zufriedenheit. Gebauer erklärt das damit, dass reine Freundschaft die Leidenschafts-Dimension möglicherweise strukturell schwächer verankert.

Wichtig zu verstehen: Diese Kategorie betrifft den sehr seltenen Fall (3,6 % der Beziehungen), bei dem wirklich keine Liebeskomponente vorhanden war – also eine Beziehung, die aus einer reinen Zweckfreundschaft ohne jede romantische Anziehung entstand. Freundschaft mit aufkeimenden Gefühlen, die sich langsam entwickeln, fällt in die Kategorie „Freundschaft zu Liebe" – und die schneidet in der Studie gut ab.

Was andere Forschung dazu sagt

Die Ergebnisse fügen sich in ein wachsendes wissenschaftliches Bild.

Stinson, Cameron und Hoplock (2022) analysierten in einer Metaanalyse mit fast 1.900 Teilnehmenden, wie romantische Paare zusammenfanden. Ergebnis: 68 Prozent aller Befragten gaben an, dass ihre aktuelle oder letzte Beziehung als Freundschaft begann. Freundschaft-first ist also nicht die Ausnahme, sondern statistisch der häufigste Weg zur Liebesbeziehung.

Robert Sternberg beschrieb bereits 1986 in seiner Dreieckstheorie der Liebe drei Komponenten: Intimität, Leidenschaft und Bindung. Beziehungen, die mit Verliebtheit beginnen, starten mit viel Leidenschaft – aber Intimität und Bindung bauen sich erst auf. Beziehungen, die aus Freundschaft entstehen, haben oft einen anderen Startpunkt, aber nicht zwingend einen schlechteren. Der Ausgangspunkt zählt weniger als die Entwicklung.

Was das für Suchende bedeutet

Viele Singles berichten, dass sie auf Dating-Apps unter Druck geraten, schnell zu entscheiden, ob jemand infrage kommt. Die Gründe, warum viele länger single bleiben als gedacht, hängen oft mit genau dieser Erwartungshaltung zusammen: Wenn das Kribbeln beim ersten Treffen fehlt, wird ausgewischt – obwohl die Person vielleicht genau die Richtige wäre.

Die Gleichklang-Studie liefert dazu eine nüchterne, aber ermutigende Datenlage: Ein Date, das nicht sofort Feuerwerk auslöst, ist kein gescheitertes Date. Drei, vier Treffen mit jemandem, der einen interessiert, ohne einen vom Hocker zu reißen, können eine ganz normale Grundlage für eine funktionierende Beziehung sein.

Was hingegen ein echtes Warnsignal ist: das Gefühl, die andere Person aktiv nicht leiden zu können, oder ein dauerhaftes Hin-und-Her von Anziehung und Abstoßung ohne klare Richtung. Das sind die beiden Konstellationen, die laut Studie tatsächlich mit statistisch schlechteren Ergebnissen korrelieren.

Wer sich fragt, ob es sich überhaupt lohnt, an jemandem dranzubleiben – die Fragen, die laut Harvard-Studie Beziehungen wirklich tragen, haben mit Kribbeln übrigens wenig zu tun.

Es gibt mehr als einen Weg zur Liebe – und fünf von sieben führen zum gleichen Ziel.

Häufige Fragen

Muss man sich verlieben, um eine glückliche Beziehung zu führen?
Nein – das zeigt die Gleichklang-Studie 2026 (n=878) deutlich. Fünf von sieben Beziehungsanfangsformen führten zur gleich hohen Beziehungszufriedenheit wie der klassische Schmetterlinge-Beginn, darunter Freundschaft-first, langsame Entwicklung ohne klares Muster und Liebe ohne Verliebtheit. Entscheidend ist nicht der Anfang, sondern was sich daraus entwickelt.
Was ist, wenn ich meinen Partner am Anfang gar nicht attraktiv fand?
Auch das ist kein schlechtes Zeichen. Die Studie zeigt, dass selbst ein Anfang ohne Verliebtheit oder Freundschaft zu gleich hoher Zufriedenheit führen kann wie klassische Verliebtheit. Problematisch ist nur aktive Aversion – also echte Abneigung – oder Ambivalenz. Neutrales Desinteresse ist eine andere Kategorie.
Welche Beziehungsanfänge haben schlechte Prognosen?
Laut der Gleichklang-Studie gibt es zwei kritische Formen: Aversion (aktive Abneigung zu Beginn) und Ambivalenz (gleichzeitige An- und Abstoßung). Beide führten zu statistisch signifikant niedrigerer Beziehungs- und sexueller Zufriedenheit. Dennoch: Selbst bei Aversion lagen rund 20 Prozent der Beziehungen noch über dem Zufriedenheitsmittelwert – keine Anfangsform ist ein absolutes Urteil.
Funktioniert Freundschaft-first auch für sexuelle Zufriedenheit?
Größtenteils ja – mit einer Ausnahme: Beziehungen, die aus reiner Freundschaft ohne jede Liebeskomponente entstanden, wiesen von allen nicht-problematischen Anfangsformen die zweitniedrigste sexuelle Zufriedenheit auf. Die Leidenschafts-Komponente scheint dort strukturell schwächer. Freundschaft mit Liebeskomponente schneidet dagegen gut ab.
Quellen anzeigen
  • Gebauer, G. F. (2026). Studie: Viele Wege zur Liebe führen zur Beziehungszufriedenheit und sexuellen Zufriedenheit. Gleichklang.de / Psychologie-Partnersuche.de, Hannover. Pressemitteilung auf Presseportal.de

  • Stinson, D. A., Cameron, J. J. & Hoplock, L. B. (2022). The Friends-to-Lovers Pathway to Romance: Prevalent, Preferred, and Overlooked by Science. Social Psychological and Personality Science. DOI: 10.1177/19485506211026992

  • Sternberg, R. J. (1986). A triangular theory of love. Psychological Review, 93(2), 119–135. DOI: 10.1037/0033-295X.93.2.119