Living Apart Together: Wenn Paare bewusst getrennte Wohnungen wählen
Feste Beziehung, getrennte Wohnungen — ganz bewusst. Was früher als Übergangslösung galt, wählen immer mehr Paare als dauerhaftes Modell. Eine neue Repräsentativstudie liefert erstmals belastbare Zahlen dazu.
Auf einen Blick:
- 61 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, als Paar in getrennten Wohnungen zu leben — das zeigt eine neue Parship-Studie mit 3.056 Befragten.
- Stärkste Argumente dafür: eigene Zeit behalten (41 %) und eigene Routinen (37 %). Stärkstes Gegenargument: höhere Kosten (48 %).
- Bei Menschen ab 80 Jahren ist LAT längst Normalität: 13,3 Prozent aller Paarbeziehungen in NRW laufen bereits so.
- Als Kompromiss bevorzugen viele ein eigenes Arbeitszimmer (48 %) oder Hobbyraum (47 %) in der gemeinsamen Wohnung — Parship nennt das „LAT light".
Zusammenziehen gilt als Meilenstein, als der nächste logische Schritt in einer Beziehung. Dieses Bild sitzt tief — und trotzdem hinterfragt eine wachsende Zahl von Paaren genau das. Sie leben nicht zusammen, wohnen getrennt — und tun es nicht aus Zwang, sondern weil sie es so wollen.
Living Apart Together (LAT) nennt sich dieses Modell. Es ist längst kein Nischenphänomen mehr, auch wenn es im öffentlichen Diskurs noch selten so direkt benannt wird. Eine neue repräsentative Befragung von Parship liefert jetzt erstmals belastbare Zahlen zum deutschen Stimmungsbild — und die fallen deutlicher aus, als viele vermutlich erwarten würden.
61 Prozent: Mehrheit offen für getrennte Wohnungen
Im September 2025 hat das Marktforschungsinstitut Innofact AG im Auftrag von Parship insgesamt 3.056 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland befragt. Das zentrale Ergebnis: Sechs von zehn Deutschen (61 Prozent) können sich vorstellen, eine Beziehung mit getrennten Wohnungen zu führen.
Männer zeigen sich dabei mit 63 Prozent etwas aufgeschlossener als Frauen mit 58 Prozent — ein statistisch kleiner, aber konsistenter Unterschied. Was sich dahinter verbirgt, lässt die Studie offen. Parship Love-Coach Stella Schultner verweist im Kontext der Studie auf einen breiteren gesellschaftlichen Wandel: In einer Zeit, in der persönliche Selbstbestimmung auch innerhalb von Beziehungen stärker gewichtet wird, passt ein Modell, das Nähe und Eigenraum zugleich ermöglicht, für viele besser als der klassische gemeinsame Haushalt.
Die Argumente, die zählen
Die Befragten mussten nicht nur sagen, ob sie sich LAT vorstellen können, sondern auch warum. Die Antworten sind weniger romantisch als pragmatisch — was sie nicht weniger ernst macht:
- Me-Time behalten — 41 Prozent, das meistgenannte Argument
- Eigene Routinen beibehalten — 37 Prozent
- Persönliche Freiheit — 36 Prozent
- Die gemeinsame Zeit mehr wertschätzen — 32 Prozent
- Weniger Alltagskonflikte — 31 Prozent
Wer weiß, worüber Paare am häufigsten streiten — Ordnung, Schlafgewohnheiten, Haushaltspflichten, Finanzen — versteht die Logik hinter diesen Zahlen sehr gut.
Was dagegen spricht: vor allem Geld
LAT kommt nicht ohne Haken. Das meistgenannte Gegenargument sind die höheren Lebenshaltungskosten: 48 Prozent nennen das als Hauptproblem — und in einem angespannten Wohnungsmarkt ist das keine theoretische Besorgnis, sondern für viele gelebte Realität. Zwei Wohnungen bedeuten zwei Mieten, zwei Nebenkostenabrechnungen, doppelter Aufwand bei der Einrichtung.
Die weiteren Bedenken:
- Kleine Alltagsmomente verpassen — 42 Prozent
- Weniger Spontanität — 35 Prozent
- Gefühl von Distanz — 32 Prozent
Letzteres ist möglicherweise das komplexeste Argument: Distanz als Bedrohung für emotionale Nähe. Gleichzeitig zeigen die Pro-Argumente, dass viele gerade in der räumlichen Trennung eine Möglichkeit sehen, die gemeinsame Zeit bewusster und dadurch intensiver zu gestalten.
LAT light: Der Kompromiss
Interessant ist, was die Studie noch ans Licht bringt: Fast die Hälfte der Befragten würde nicht den vollen Schritt gehen, sondern einen Mittelweg wählen. 48 Prozent befürworten ein eigenes Arbeitszimmer in der gemeinsamen Wohnung, 47 Prozent einen eigenen Hobbyraum — als Rückzugsort ohne vollständige räumliche Trennung. Parship fasst das intern unter dem Begriff „LAT light" zusammen.
Das deutet auf ein tieferliegendes Bedürfnis hin: nicht nach Distanz an sich, sondern nach persönlichem Raum und Autonomie innerhalb einer engen Beziehung. Wer das in der gemeinsamen Wohnung unterbringen kann, braucht kein separates Appartement.
Was die Wissenschaft seit Jahren beobachtet
LAT ist kein neues Phänomen. Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahrzehnten damit, wie verbreitet dieses Modell wirklich ist und was es für Menschen bedeutet — vor allem im höheren Alter.
Stefan Mauritz und Michael Wagner von der Universität zu Köln haben in einer 2021 in Demographic Research veröffentlichten Studie (DOI: 10.4054/DemRes.2021.44.14) speziell Paare ab 80 Jahren in Nordrhein-Westfalen untersucht. Datenbasis war eine repräsentative Stichprobe von 1.863 Personen dieser Altersgruppe aus der NRW80+-Befragung (2016–2018). Ihr zentrales Ergebnis: 13,3 Prozent aller Paarbeziehungen in dieser Altersgruppe sind LAT-Beziehungen — und der Anteil steigt mit zunehmendem Alter weiter.
Das macht Sinn: Ältere Menschen haben häufig etablierte Wohnverhältnisse, Freundeskreise, Immobilien und Lebensgewohnheiten, die sie nicht aufgeben wollen oder können. LAT ist für viele von ihnen nicht die Ausnahme, sondern die logische Antwort auf diese Situation. Die Parship-Studie 2026 zeigt nun, dass diese Offenheit längst nicht mehr auf ältere Bevölkerungsgruppen beschränkt ist.
Was das für die Partnersuche bedeutet
Die Zahlen aus der Parship-Studie sind kein Plädoyer für LAT — und kein Argument dagegen. Was sie zeigen: Das Modell ist in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen. Es ist keine Kuriosität und keine Übergangslösung, sondern für Millionen Menschen eine legitime, bewusste Option.
Für Singles auf Partnersuche hat das eine praktische Konsequenz: Die Frage, ob man irgendwann zusammenziehen will — und in welcher Form — ist keine, die man auf unbestimmte Zeit verschieben sollte. Sie ist ein echter Kompatibilitätsfaktor. Wer LAT liebt und wer ohne gemeinsamen Haushalt keine vollständige Beziehung sieht, werden auf Dauer vermutlich aneinander vorbeigehen — auch wenn alles andere passt.
Häufige Fragen
- Was ist Living Apart Together?
- Living Apart Together (kurz LAT) bezeichnet eine Paarbeziehung, in der beide Partner ein festes Paar sind, aber in getrennten Wohnungen oder Häusern leben — kein gemeinsamer Haushalt, aber eine bewusst gewählte, verbindliche Partnerschaft.
- Wie verbreitet ist LAT in Deutschland?
- Laut einer Parship-Repräsentativbefragung 2026 (n=3.056, Innofact AG) können sich 61 Prozent der Deutschen vorstellen, in einer Beziehung mit getrennten Wohnungen zu leben. Männer sind mit 63 Prozent etwas offener als Frauen (58 Prozent). Bei Menschen ab 80 Jahren macht LAT laut einer Kölner Universitätsstudie bereits 13,3 Prozent aller Paarbeziehungen in Nordrhein-Westfalen aus.
- Was spricht für LAT?
- Das meistgenannte Argument in der Parship-Studie 2026 ist Me-Time behalten (41 Prozent), gefolgt von eigenen Routinen (37 Prozent), persönlicher Freiheit (36 Prozent), gemeinsame Zeit mehr wertschätzen (32 Prozent) und weniger Alltagskonflikten (31 Prozent).
- Was spricht gegen LAT?
- 48 Prozent nennen höhere Lebenshaltungskosten als größten Nachteil — zwei Wohnungen bedeuten zwei Mieten. Dahinter folgen das Verpassen kleiner Alltagsmomente (42 Prozent), weniger Spontanität (35 Prozent) und ein Gefühl von Distanz (32 Prozent).
Quellen anzeigen
Parship (2026): Getrennte Wohnungen, gemeinsame Liebe — funktioniert Living Apart Together als Beziehungsmodell? Repräsentativbefragung (n=3.056, Innofact AG, September 2025), veröffentlicht 7. Mai 2026. parship.de/studien/getrennte-wohnungen-gemeinsame-liebe-funktioniert-living-apart-together-als-beziehungsmodell/
Mauritz, S. & Wagner, M. (2021): LAT relationships: A new living arrangement among the oldest old population in Germany? In: Demographic Research, Vol. 44, Art. 14, S. 349–362. Volltext (Demographic Research), DOI: 10.4054/DemRes.2021.44.14