FBI-Bericht 2025: Romance Scams verursachten 929 Millionen Dollar Schaden – 38 Prozent mehr als im Vorjahr
Auf einen Blick:
- Das FBI meldete für 2025 insgesamt 23.159 Romance-Scam-Beschwerden mit Schäden von rund 929 Millionen Dollar – ein Schadensanstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Personen ab 60 Jahren trugen laut IC3-Bericht überproportional hohe Verluste: rund 63 Prozent der Romance-Scam-Schäden.
- Ein frischer Fall aus Oregon zeigt das typische Vorgehen: Ein Mann gab sich auf Dating-Apps als NFL-Profi aus und ergaunerte 1,3 Millionen Dollar von 26 Frauen.
- Kryptowährungen spielen eine wachsende Rolle – rund 42 Prozent der Romance-Scam-Schäden hatten laut FBI einen Krypto-Bezug.
Am 24. August 2026 führte das FBI zwei Männer am Flughafen Boise in Handschellen ab. Daejon Labrayae Love, 35, und Taylor Jamie Chan, 18, stehen unter dem Verdacht, seit Februar 2022 über Dating-Apps und soziale Medien mindestens 26 Frauen um rund 1,3 Millionen Dollar betrogen zu haben. Love soll sich dabei als Spieler der San Francisco 49ers ausgegeben haben – ein falsches Profil, gefälschte Bankscreens, ein jahrelanges Lügenkonstrukt. Der Fall ist neu, das Muster dahinter ist es nicht.
Der IC3-Jahresbericht 2025 des FBI, im April 2026 veröffentlicht, legt die Zahlen offen: Romance Scams und Confidence Fraud verursachten im vergangenen Jahr Schäden von rund 929 Millionen Dollar – 38 Prozent mehr als im Jahr 2024.
Was der FBI-Bericht 2025 konkret zeigt
Das Internet Crime Complaint Center (IC3) erfasst Betrugsmeldungen aus den USA systematisch und veröffentlicht jährlich einen öffentlich zugänglichen Bericht. Für 2025 zählt das IC3 insgesamt mehr als eine Million eingegangener Beschwerden – ein Rekord in der fast 25-jährigen Geschichte der Behörde. Der Gesamtschaden aller gemeldeten Cyberkriminalität lag bei knapp 21 Milliarden Dollar.
Innerhalb dieses Rahmens stehen Romance Scams für einen der größten Einzelschadensposten: 23.159 Beschwerden in der IC3-Sammelkategorie „Confidence Fraud/Romance" (die neben Liebesbetrug auch verwandte Vertrauensmaschen umfasst), rund 929 Millionen Dollar Schaden, und ein Schadensanstieg von 38 Prozent im Jahresvergleich. Viele Betroffene schämen sich und erstatten keine Anzeige – die realen Schäden dürften erheblich über den gemeldeten Zahlen liegen.
929 Mio. Dollar Schaden durch Romance Scams in den USA (2025) – ein Anstieg von 38 % gegenüber 2024. Quelle: FBI IC3 Annual Report 2025
Besonders beunruhigend ist die Altersverteilung: Laut IC3-Bericht konzentrierten sich rund 63 Prozent der Romance-Scam-Verluste auf Opfer ab 60 Jahren, was einem Betrag von etwa 584 Millionen Dollar entspricht – ein Anstieg von 50 Prozent im Jahresvergleich. Warum sich die Verluste dort konzentrieren, erhebt der Report nicht – denkbar sind eine gezieltere Ansprache älterer Menschen ebenso wie schlicht höhere Ersparnisse in dieser Altersgruppe.
Krypto und KI als neue Eskalationsstufen
Rund 42 Prozent der Romance-Scam-Schäden – nach IC3-Angaben etwa 395 Millionen Dollar – entstanden bei Fällen mit Kryptowährungs-Bezug. Das ist kein Zufall: Kryptotransaktionen sind nahezu unumkehrbar, die Empfänger schwer identifizierbar, und das Geld ist nach der Überweisung in der Regel verloren. Täter kombinieren romantische Scheinbeziehungen oft mit Investmentversprechen, die über Krypto abgewickelt werden – ein Muster, das Ermittler als „Pig Butchering" bezeichnen. Den DOJ-Einsatz gegen ein solches Netzwerk haben wir hier dokumentiert: Pig Butchering – die perfide KI-Dating-Masche.
Neu im IC3-Bericht ist außerdem ein eigener Abschnitt zu Betrug mit Künstlicher Intelligenz: 22.364 Beschwerden mit einem Schaden von knapp 893 Millionen Dollar. Das schließt auch Romance-Scam-Fälle ein, bei denen Täter KI-generierte Fotos, Stimmenklone oder täuschend echte Videos nutzen, um ihre fiktiven Identitäten glaubhafter zu machen.
Der Fall Love: Wie Scheinbeziehungen funktionieren
Was das US-Justizministerium über den Fall Love und Chan in seiner Pressemitteilung vom 25. August 2026 veröffentlicht hat, liest sich wie ein Lehrstück in angewandter Manipulation.
Love lernte die meisten seiner Opfer über Dating-Apps kennen. Er präsentierte sich als wohlhabenden NFL-Profi der 49ers oder erfolgreichen Immobilieninvestor, pflegte über Monate intensive Scheinbeziehungen und führte die Frauen glauben, in einer echten romantischen Partnerschaft zu sein. Dann kam Chan ins Spiel: als angeblicher Finanzberater, der Loves Investmentkonto verwaltet und der den Opfern zeigte, wie das System Millionen erwirtschaftet. Gefälschte App-Screenshots wiesen hohe Kontostände aus – alles fake, technisch erzeugbar mit simplen Smartphone-Apps.
Die Frauen überwiesen Geld, weil sie glaubten, in seriöse Investments einzuzahlen und weil sie Love vertrauten. Einige nahmen auf seine Aufforderung hin sogar Kredite auf. Wer zu viele Fragen stellte oder kein weiteres Geld mehr hatte, wurde blockiert.
26 Opfer wurden identifiziert. Das FBI geht davon aus, dass es weitere gibt – Love war zum Zeitpunkt der Verhaftung in Idaho unterwegs, um neue Opfer zu treffen.
Beide Männer sind wegen Verschwörung zum Überweisungsbetrug und Überweisungsbetrug angeklagt. Ihnen drohen bei Verurteilung mehrjährige Bundesgefängnisstrafen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Warum das für Deutschland relevant ist
Romance Scams sind keine amerikanische Randerscheinung. Die Methoden sind global. Zuletzt sorgte in Deutschland ein Urteil gegen ein Black-Axe-Netzwerk in Oldenburg für Aufmerksamkeit – auch dort liefen die Betrügereien über gefälschte romantische Identitäten auf Dating-Plattformen.
Was sich verändert, ist die technische Ausgereiftheit. Generative KI macht gefälschte Fotos überzeugender, Deepfake-Videocalls ermöglichen es Tätern, sich auf Anfrage „live" zu zeigen – ohne wirklich die Person zu sein, die sie behaupten zu sein. Wie man solche Deepfakes erkennt, erklären wir in unserem Ratgeber Deepfake-Betrug im Online-Dating erkennen.
Was du konkret tun kannst
Die Warnzeichen für Romance Scams sind seit Jahren dieselben – und werden trotzdem übersehen, weil Täter gezielt emotionale Bindungen aufbauen, bevor sie Geld fordern.
Rote Flaggen – sofortige Vorsicht ist geboten:
✗ Die Person kann sich nie persönlich treffen (angeblich im Ausland, auf Mission, beruflich verhindert)
✗ Sehr schnelle, intensive Liebeserklärungen und Zukunftspläne
✗ Profilfotos wirken zu professionell – Reverse-Image-Search durchführen
✗ Gespräch wechselt rasch auf WhatsApp oder Telegram, weg von der Dating-App
✗ Vorschlag, gemeinsam in Krypto oder andere Investments zu gehen
✗ Jede Art von Geldanfrage – Notfall, Reisekosten, Überweisung, Geschenkkarte
Wer tiefer einsteigen will, wie man diese Muster frühzeitig erkennt und was nach einem Betrug zu tun ist, findet in unserem Pillar-Artikel alle Details: Romance Scams erkennen und melden.
Quellen anzeigen
- Federal Bureau of Investigation – Internet Crime Complaint Center (IC3): 2025 Internet Crime Report (PDF), veröffentlicht April 2026.
- FBI National Press Office (April 2026): Cryptocurrency and AI Scams Bilk Americans of Billions, fbi.gov.
- U.S. Department of Justice, District of Oregon (25. August 2026): Man Posing as San Francisco 49er Charged with Defrauding Over Two Dozen Women Out of More than $1.3 Million, justice.gov.