Bumble schafft die Frauen-zuerst-Regel ab — und das Swipen gleich mit

Bumble hat seine wichtigste Regel zwölf Jahre lang nicht gebrochen: Frauen schreiben zuerst — oder gar nicht. Das ändert sich jetzt. Und mit der Frauen-zuerst-Regel fällt auch das Swipen.

Junge Frau schaut nachdenklich auf ihr Smartphone in einem sonnigen Café, warmes Morgenlicht, Terracotta-Töne
Die App, die Frauen das erste Wort gab, ändert gerade alles auf einmal. Foto: KI generiert
Auf einen Blick: Bumble baut gleich dreifach um — die Women-First-Regel fällt, das Swipen verschwindet, und mit „Plans" kommt eine eigene App für Gruppentreffen. Die ersten beiden Schritte kündigte CEO Whitney Wolfe Herd im Mai 2026 an; auf dem Q2-Earnings-Call vom 5. August lieferte Bumble die Zahlen dahinter nach: Umsatz minus 15,2 Prozent auf 210,5 Millionen Dollar. Ab Q4 2026 sollen die ersten Änderungen in ausgewählten Märkten starten.

Zwölf Jahre hat Bumble eine Regel durchgehalten, die die App groß gemacht hat: Frauen schreiben zuerst — oder gar nicht. Im Mai 2026 erklärte CEO Whitney Wolfe Herd das Ende dieses Prinzips. Auf dem Quartalsgespräch mit Investor:innen am 5. August wurde sichtbar, wie ernst es Bumble damit ist — und wie groß der Druck dahinter.

„Wir werden keine Geschlechtergruppe mehr zwingen, als Erste etwas zu tun", sagte Wolfe Herd bei der Ankündigung im Mai. Den Kern der ursprünglichen Idee — Frauen mehr Kontrolle zu geben — wolle sie erhalten. Aber die harte Regel, die Bumble 2014 definiert hatte, ist Geschichte.

Warum Bumble gerade alles auf einmal ändert

Die Zahlen dahinter erzählen von einer App unter Druck. Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 15,2 Prozent auf 210,5 Millionen Dollar. Die zahlenden Nutzerinnen gingen weiter zurück. Bumbles Aktienkurs notiert heute mehr als 90 Prozent unter dem Ausgabepreis von 2021.

„Menschen fühlen sich erschöpft, sie fühlen sich müde. Sie haben das Gefühl, dass das Swipen ihr Liebesleben schlechter gemacht hat", sagte Wolfe Herd im Mai 2026 in einem Interview mit dem US-Medienhaus Axios.

Auf der anderen Seite: Tinder verliert monatlich aktive Nutzer:innen seit Jahren. Hinge, das nie auf Swipes gesetzt hat, wächst. Und Gen Z fragt sich laut, ob Dating-Apps den Aufwand überhaupt noch wert sind. Bumble antwortet darauf nicht mit einer Anpassung, sondern mit einem Neustart.

Das Swipen: Ende ab Q4 2026 angekündigt

Bereits im Mai hatte Wolfe Herd das Ende des Swipens angekündigt: „Wir werden uns vom Swipen verabschieden und etwas begrüßen, das ich für die Kategorie für revolutionär halte." In ausgewählten Märkten soll der Swipe demnach ab dem vierten Quartal 2026 verschwinden.

Das neue Modell soll weg vom „Optimieren für Swipe-Geschwindigkeit und -volumen" — hin zu „weniger, aber besseren, überlegteren Signalen". Was genau das Swipen ersetzen wird, hält Wolfe Herd aus Wettbewerbsgründen noch zurück. „Es ist so konzipiert, dass es unmittelbarere Interaktionen erzeugt — und vor allem bessere Ergebnisse, indem es das echte Leben nachahmt", beschrieb sie das neue System.

Die Umstellung soll schrittweise erfolgen, um den bestehenden Nutzerstamm nicht abrupt zu verlieren. Ab Q4 2026 will Bumble erste Pilotmärkte damit starten.

Plans: Die neue App für echte Begegnungen

Parallel zur großen Umbauankündigung präsentierte Bumble erste Ergebnisse der neuen App namens Plans. Das Konzept ist einfach: Statt stundenlang zu chatten und sich dann vielleicht zu treffen, findet das Treffen zuerst statt — in kleinen Gruppen bei Drinks oder Abendessen in der Nachbarschaft.

Nutzer:innen können anschließend über Bumble weiterschreiben, ohne Telefonnummer auszutauschen. Das entscheidende Merkmal: kein Swipe-Feed.

„Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Kennenlernens stärker in Gruppen stattfinden wird", sagte Wolfe Herd. „Menschen lieben es, zusammenzukommen und zu sehen, mit wem sie auf natürliche Art Chemie entwickeln — sobald sie sich erst einmal begegnet sind."

Plans läuft seit wenigen Monaten in ersten Testmärkten und zeigt laut CEO „vielversprechende Ergebnisse". Die App ist separat erhältlich.

Kleine Gruppe trifft sich zum Abendessen bei warmem Abendlicht, entspannte Atmosphäre, kein Smartphone sichtbar
Plans von Bumble setzt auf echte Treffen in kleinen Gruppen — ganz ohne Swipen davor.

Tinder zieht mit: Ein Branchentrend

Bumble ist nicht allein. Einen Tag vor dem Bumble-Earnings-Call meldete auch Tinders Mutterkonzern Match Group Zahlen. Tinder verlor im zweiten Quartal 7 Prozent seiner monatlich aktiven Nutzer:innen — leicht besser als die 8 Prozent aus dem Vorquartal, aber weiter im Minus.

Die Antwort: mehr echte Erlebnisse. Seit März 2026 bietet Tinder einen eigenen Events-Tab mit Vor-Ort-Veranstaltungen an, gestartet in Los Angeles. Bis Ende September 2026 soll er in 26 Städten weltweit verfügbar sein, darunter europäische Großstädte. Bis Jahresende plant Tinder 75 Städte. In Los Angeles hatten sich 71 Prozent der aktiven Tinder-Nutzer:innen zwischen 18 und 24 Jahren mit dem Events-Tab beschäftigt.

Match-Group-CEO Spencer Rascoff begründet den Schritt so: „Unsere internen Daten zeigen, dass fast die Hälfte der Singles zwischen 18 und 29 Jahren persönliche Erlebnisse teilen möchte — mit Menschen, die zu echten Verbindungen werden könnten."

Hinge, die dritte große Kraft, hatte das Swipen nie. Kein Zufall, dass genau Hinge in diesem Markt gerade wächst.

Was das für deutsche Nutzerinnen bedeutet

Konkret ändert sich für Bumble-Nutzerinnen in Deutschland zunächst wenig — die Q4-Änderungen starten in „ausgewählten Märkten", die Bumble noch nicht benennt. Deutschland zählt zu Bumbles wichtigsten europäischen Märkten, könnte also früh dabei sein.

Was sich jetzt schon ändert, ist das Signal: Die App, die mit dem Versprechen groß wurde, Frauen mehr Kontrolle zu geben, gibt dieses Versprechen auf. Ob das für die Nutzerinnen besser oder schlechter wird, die genau wegen dieser Regel zu Bumble gewechselt sind, wird sich erst zeigen.

Wer Bumbles bisherigen KI-Ansatz mit der Assistentin Bee kennenlernen möchte, findet eine ausführliche Analyse unter Bumble streicht das Swipen: Was die KI-Matchmakerin Bee wirklich kann. Warum so viele Menschen das Swipen sattbekommen haben, erklärt der Hintergrund zum IRL-Dating-Trend.

Häufige Fragen

Wann fällt die Frauen-zuerst-Regel bei Bumble weg?
Bumble-CEO Whitney Wolfe Herd hat im Mai 2026 angekündigt, dass die Women-First-Regel abgeschafft wird. Konkrete Termine nennt Bumble nicht — die ersten Änderungen sollen ab Q4 2026 in ausgewählten Märkten starten. Welche Märkte das sind, ist noch nicht bekannt.
Was ersetzt das Swipen bei Bumble?
Bumble entwickelt ein neues Matching-Modell, das CEO Whitney Wolfe Herd bewusst vage hält. Im Kern soll die KI-Assistentin Bee Nutzerinnen anhand ihrer Ziele, ihres Kommunikationsstils und ihrer Präferenzen passende Profile vorschlagen — ohne Swipe-Feed. Die Details sind für Q4 2026 angekündigt.
Was ist die Plans-App von Bumble?
Plans ist eine eigenständige App von Bumble für IRL-Gruppenveranstaltungen. Kleine Gruppen treffen sich bei Drinks oder Abendessen in der Nachbarschaft. Anschließend kann man über Bumble weiterschreiben — ohne Telefonnummer auszutauschen. Die App läuft seit wenigen Monaten in ersten Testmärkten und zeigt laut CEO "vielversprechende Ergebnisse".
Warum ändert Bumble gerade so viel auf einmal?
Der Druck ist finanziell. Im zweiten Quartal 2026 sank Bumbles Umsatz um 15,2 Prozent auf 210,5 Millionen Dollar. Die zahlenden Nutzerinnen gingen weiter zurück. Der Aktienkurs ist seit dem Börsengang 2021 um über 90 Prozent eingebrochen. Die App sucht einen Neustart — bevor Hinge und Tinder das Feld übernehmen.
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