Bumble-Datenleck 2026: Angeblich 110 Millionen Profile im Darknet
Wer Bumble nutzt, weiß: Man gibt der App ziemlich viel von sich preis. Alter, Fotos, politische Haltung, Beziehungswünsche – das alles landet im Profil. Genau das macht Dating-App-Daten für Kriminelle so wertvoll. Und genau deshalb lohnt es sich, den aktuellen Bericht aus dem Darknet ernst zu nehmen – auch wenn die Beweise noch dünn sind.
Was behauptet der Verkäufer im Darknet?
Am 5. September 2026 berichtete das IT-Sicherheitsportal it-daily.net unter Berufung auf eine Analyse von Cybernews von einem neuen Angebot in einem Untergrundforum: Ein Verkäufer biete dort angeblich die Profildaten von 110 Millionen Bumble-Nutzern für 300 US-Dollar an.
Als Beleg veröffentlichte der Verkäufer 36 Stichproben. Cybernews-Forscher haben diese Datensätze untersucht und dabei Folgendes vorgefunden:
- Telefonnummern
- E-Mail-Adressen
- Demografische Angaben
- Inhalte aus Dating-Profilen
- Zeitstempel, die bis in den August 2026 reichen
Das letzte Detail ist relevant: Würde es sich um recycelte Altdaten aus früheren Vorfällen handeln, wären keine so aktuellen Zeitstempel zu erwarten.
Wie glaubwürdig ist die Behauptung?
Skeptisch bleiben ist angebracht – und das tun die Cybernews-Forscher auch ausdrücklich. Zwei zentrale Punkte wecken Zweifel:
Das Mengenproblem. Bumble gibt selbst an, über 40 Millionen aktive Nutzer zu haben. Ein Datensatz von 110 Millionen Konten würde die aktive Nutzerbasis also fast dreifach übersteigen. Das ist möglich, wenn man inaktive und gelöschte Konten mitzählt – aber eben auch ein Hinweis darauf, dass die Zahl aufgebauscht sein könnte.
Der Preis ist verdächtig niedrig. 300 US-Dollar für den angeblich vollständigen Bumble-Nutzerbestand ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich. Forscher halten fest, dass ein echter Datensatz dieser Größenordnung auf dem Markt erheblich mehr kosten würde. Billige Angebote mit großen Zahlen sind auf Darknet-Foren ein klassisches Warnsignal.
Was jedoch für eine gewisse Authentizität spricht: Die Stichproben wirkten auf die Forscher echt statt frei erfunden, und die aktuellen Zeitstempel passen nicht zum typischen Muster recycelter Datensätze.
Bumble unter Beschuss: Die Zeitlinie 2026
Das Angebot vom September ist kein isolierter Vorfall. Bumble hat innerhalb von weniger als einem Jahr mehrere Sicherheitsmeldungen auf sich gezogen:
Januar 2026 – ShinyHunters-Angriff (bestätigt): Die Hackergruppe ShinyHunters veröffentlichte 30 GB Daten aus internen Bumble-Systemen – konkret aus Google Drive und Slack, nachdem ein Auftragnehmer-Konto per Phishing kompromittiert worden war. Bumble bestätigte den Vorfall, erklärte aber: Nutzerdatenbank, Profile und Direktnachrichten seien nicht betroffen gewesen. Offengelegt wurden interne Unternehmensdokumente, Mitarbeiter-PII und Teile der Bumble-Gruppen-Daten (sogenannte Hives).
Juni 2026 – 32-Millionen-Behauptung (unbestätigt): In einem anderen Untergrundforum tauchte ein Angebot mit angeblich 32 Millionen Bumble-Profilen auf, inklusive E-Mail-Adressen, Passwort-Hashes, Namen, Geburtsdaten, Standortdaten sowie politischer und religiöser Überzeugungen. Cybernews äußerte damals Skepsis wegen eines neu angelegten Verkäufer-Accounts und des niedrigen Preises – konnte die Echtheit aber auch nicht ausschließen.
September 2026 – 110-Millionen-Behauptung (aktuell unbestätigt): Der aktuelle Fall. Cybernews stellt fest, dass die Feldbezeichnungen der Dating-Profile in den Juni- und September-Datensätzen übereinstimmen, was auf eine ähnliche Herkunft hindeuten könnte. Bumble hat auf die Presseanfrage bisher nicht geantwortet.
Was droht Betroffenen, wenn der Datensatz echt ist?
Cybernews-Forscher haben mehrere Risikoszenarien beschrieben – und die gehen über den typischen Spam-Anruf hinaus:
Personalisierter Betrug. Wer Telefonnummer, E-Mail-Adresse und das vollständige Dating-Profil einer Person besitzt, kann sehr gezielt vorgehen. Romance Scam, bei dem Kriminelle ein gefälliges Fake-Profil aufbauen und über Wochen oder Monate emotionale Bindungen simulieren, um schließlich um Geld zu bitten, wird durch solche Daten erheblich leichter. Die Kriminellen kennen dann bereits Interessen, Beziehungsstatus und Vorlieben ihrer Opfer.
Identitätsdiebstahl und Identitätsvortäuschung. Dating-Profile lassen sich nutzen, um auf anderen Plattformen Fake-Accounts mit echter Identität anzulegen. Fotos, Beschreibungen und Interessen aus Bumble können direkt übernommen werden.
Besonderes Risiko für queere Nutzerinnen und Nutzer. Cybernews betont diesen Punkt ausdrücklich: Dating-App-Daten verraten implizit, mit wem jemand daten möchte – und damit oft die sexuelle Orientierung. In manchen gesellschaftlichen oder familiären Umfeldern kann eine ungewollte Offenlegung dieser Informationen reale Konsequenzen haben, die weit über digitalen Betrug hinausgehen.
Was du jetzt tun kannst
Solange Bumble sich nicht offiziell äußert, gilt vorsorglich:
Passwort ändern – auch wenn bisher kein Anzeichen auf geleakte Login-Daten im aktuellen Datensatz vorliegt, schadet es nie, ein neues, einzigartiges Passwort zu setzen und Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren, falls vorhanden.
Augen auf bei unbekannten Kontakten. Wer in nächster Zeit überraschend passende Nachrichten von unbekannten Personen bekommt, die bereits viel über die eigenen Interessen zu wissen scheinen: Das könnte ein Zeichen sein, dass Profildaten missbraucht werden. Im Zweifel immer über die Dating-App selbst kommunizieren, nicht über WhatsApp oder andere Messenger wechseln – das ist ein klassisches Romance-Scam-Signal.
Datenleck-Check nutzen. Services wie Have I Been Pwned (haveibeenpwned.com) informieren, sobald eine E-Mail-Adresse in bekannten Datensätzen auftaucht. Ob der aktuelle Bumble-Datensatz dort eingepflegt wird, hängt davon ab, ob seine Echtheit verifiziert werden kann.
Häufige Fragen
- Wurden meine Bumble-Daten wirklich gestohlen?
- Das ist bisher unklar. Der aktuelle Darknet-Anbieter hat keine Beweise geliefert, die eine Echtheit des gesamten Datensatzes belegen. Die Stichproben aus 36 Datensätzen sehen jedoch laut Cybernews-Forschern authentisch aus. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sein Bumble-Passwort ändern und bei verdächtigen Nachrichten besonders vorsichtig sein.
- Was genau soll in dem behaupteten Datensatz stecken?
- Der Verkäufer behauptet, er besitze Telefonnummern, E-Mail-Adressen, demografische Angaben und vollständige Dating-Profilinhalte von 110 Millionen Konten. Die 36 veröffentlichten Stichproben enthielten tatsächlich diese Datenkategorien, inklusive Zeitstempeln bis August 2026.
- Hat Bumble selbst bestätigt, dass Daten gestohlen wurden?
- Bumble hat auf die aktuelle Anfrage von Cybernews zum September-Vorfall bisher nicht reagiert. Bestätigt hat das Unternehmen einen früheren Vorfall im Januar 2026, bei dem ShinyHunters 30 GB interne Unternehmensdaten (kein Nutzer-Profildatenbank) gestohlen hatte.
- Für wen ist ein solches Datenleck besonders riskant?
- Sicherheitsforscher weisen ausdrücklich auf queere Nutzerinnen und Nutzer hin. Dating-App-Daten verraten implizit sexuelle Orientierung und Partnerschaftspräferenzen. Eine Offenlegung kann in manchen gesellschaftlichen Umfeldern reale Sicherheitsrisiken bedeuten – über digitalen Betrug hinaus.
- Warum ist der Preis von 300 Dollar verdächtig?
- Cybernews-Forscher erklären, ein echter Datensatz in dieser Größenordnung würde auf Darknet-Märkten erheblich mehr erzielen. Der ungewöhnlich niedrige Preis gilt als klassisches Warnsignal – entweder der Datensatz ist unvollständig, zusammengestückelt oder schlicht gefälscht.
Quellen anzeigen
- Lisa Löw: Angebliche Bumble-Nutzerdaten von 110 Millionen Konten im Darknet. it-daily.net, 5. September 2026.
- Vilius Petkauskas: 32M Bumble users' data leaked online, hackers claim. Cybernews, 1. Juni 2026.
- Vilius Petkauskas: Bumble Hives group data found in ShinyHunters leak, researchers warn. Cybernews, 29. Januar 2026.
- 110M Bumble Profiles for $300? Hackers' Breach Claim Analyzed. Privacy Needle, 2. September 2026.
- Dating-app giants investigate incidents after cybercriminals claim to steal data. The Record (Recorded Future News), 2026.