Jeder Fünfte ist Single: Was die neue BiB-Studie über Singles in Deutschland verrät

Frau Anfang 30 sitzt allein an einem hellen Frühstückstisch mit Kaffeebecher und lächelt entspannt
Single ist nicht gleich Single. Neue repräsentative Daten zeigen, wie vielfältig diese Lebensform wirklich ist. Foto: KI generiert

Auf einen Blick:

  • 21 Prozent der 20- bis 54-Jährigen in Deutschland sind Single — bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 42 Prozent
  • Bei den 40- bis 54-Jährigen sind es nur noch 11 Prozent
  • Männer sind in allen Altersgruppen häufiger Single als Frauen
  • Rund zwei Drittel der Singles wünschen sich eine Partnerschaft — ein Drittel möchte bewusst allein bleiben
  • Frauen sind mit ihrem Singleleben häufiger zufrieden als Männer
  • Datenquelle: FReDA Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Juli 2026

Jeder fünfte Mensch im erwerbsfähigen Alter in Deutschland ist Single. Das klingt nach einer schlichten Zahl — ist es aber nicht. Wer genauer hinschaut, stößt auf eine Gruppe, die so heterogen ist, dass kaum ein Klischee auf sie zutrifft: Junge Anfang zwanzig, die noch nie eine Beziehung hatten. Menschen Mitte vierzig, die nach einer Scheidung neu anfangen. Und solche, die sich ihr Leben ganz bewusst allein eingerichtet haben — und sich dabei pudelwohl fühlen.

Genau das dokumentiert ein neuer FReDA Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), der am 2. Juli 2026 erschienen ist. Autorinnen sind Lena Frembs und Dr. Kerstin Ruckdeschel. Die Datenbasis ist das FReDA-Panel — ein repräsentatives familiendemografisches Langzeitpanel, dessen aktuellste Erhebungswelle aus dem Jahr 2024 stammt.

Wie viele Menschen in Deutschland sind Single?

Die Zahlen sind klarer als erwartet. 21 Prozent der 20- bis 54-Jährigen leben ohne Partnerschaft. Unter den Jüngsten ist der Anteil besonders hoch: 42 Prozent der 20- bis 29-Jährigen sind Single — also fast jeder Zweite. Mit zunehmendem Alter fällt die Quote deutlich: Bei den 40- bis 54-Jährigen sind es nur noch 11 Prozent.

Das folgt einer einfachen Logik: Je älter man ist, desto wahrscheinlicher ist irgendwann eine Partnerschaft entstanden — oder eben auch wieder auseinandergegangen. Das BiB weist aber explizit darauf hin, dass es sich um sehr unterschiedliche Situationen handelt: Manche Menschen waren noch nie in einer Beziehung, andere leben nach einer Trennung wieder allein. Beides zählt als „Single" — aber die Lebensrealitäten dahinter könnten unterschiedlicher kaum sein.

Warum sind Männer häufiger Single?

Eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie: Männer sind in allen Altersgruppen häufiger Single als Frauen. Die Gründe sind laut BiB struktureller Natur. Erstens gehen Männer im Schnitt später Partnerschaften ein als Frauen. Zweitens gibt es in den jüngeren und mittleren Altersgruppen einen leichten Männerüberschuss — was den sogenannten „Heiratsmarkt" für Männer statistisch enger macht.

Ein junger Mann in der Straßenbahn schaut zufrieden aus dem Fenster, eine Frau Mitte 40 arbeitet entspannt am Schreibtisch — beide wirken selbstbestimmt
Single in verschiedenen Lebensphasen: Die BiB-Studie zeigt, wie unterschiedlich diese Lebensform aussehen kann.

Hinzu kommt eine Dynamik, die die Paarbildungsforschung gut kennt: Frauen zeigen im Durchschnitt selektivere Partnerpräferenzen — insbesondere bei sozialem Status und wirtschaftlichen Ressourcen. Das führt dazu, dass Männer mit niedrigerem Einkommen oder Bildungsniveau es tendenziell schwerer haben, eine Partnerschaft zu finden. Das ist keine Wertung, sondern ein gut dokumentiertes Muster.

Bildung als Faktor

Der Bildungsabschluss hängt messbar mit dem Single-Status zusammen. 23 Prozent der Personen mit niedrigem oder mittlerem Bildungsabschluss leben ohne Partnerschaft — gegenüber nur 17 Prozent der Hochgebildeten. Das liegt wahrscheinlich an mehreren Faktoren gleichzeitig: Einkommen, Wohnort, berufliche Vernetzung, soziale Mobilitätsmuster. Wer in einer größeren Stadt mit einem stabilen Job lebt, begegnet schlicht mehr potenziellen Partnerinnen und Partnern.

Das bedeutet: Der Single-Status ist kein rein individuelles Phänomen. Er hat strukturelle Ursachen, die Politik und Gesellschaft kennen sollten.

Wer will überhaupt eine Beziehung?

Hier liegt vielleicht die überraschendste Erkenntnis der Studie. Rund zwei Drittel der Singles wünschen sich eine Partnerschaft. Aber: Etwa ein Drittel möchte bewusst Single bleiben. Das ist keine Randerscheinung — das ist eine vollwertige, eigenständige Lebensform, die für rund ein Drittel aller Singles eine aktive Entscheidung darstellt.

Und dann ist da noch der Geschlechterunterschied, der gängige Klischees auf den Kopf stellt: Frauen sind häufiger zufrieden mit ihrem Singleleben als Männer. Das Bild von der wartenden Frau und dem sorglosen Junggesellen stimmt nicht. Mögliche Erklärung aus der Sozialpsychologie: Frauen investieren stärker in diverse soziale Netzwerke — Freundschaften, Familienbindungen, informelle Gemeinschaften. Männer hingegen stützen sich oft stärker auf die Partnerschaft als zentrale oder einzige enge Bindung. Fällt die weg, fehlt entsprechend mehr.

Für alle, die gerade Single sind und sich manchmal fragen, warum — die Frage ist oft komplexer als sie scheint. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Warum bin ich noch Single?.

Was Single-Sein gesellschaftlich bedeutet

Das BiB macht in seinem Policy Brief auf etwas aufmerksam, das im Alltag selten thematisiert wird: Singles sind in Krisenlagen verletzlicher. Krankheit, Pflegebedarf, Jobverlust, finanzielle Engpässe — all das ist schwerer zu stemmen, wenn man allein lebt. Nicht weil Singles weniger resilient wären, sondern weil das deutsche Sozialsystem und viele informelle Netzwerke strukturell auf das Paarmodell ausgerichtet sind.

Das Bundesinstitut fordert deshalb politische Maßnahmen, die soziale Teilhabe und Unterstützung auch jenseits von Paarbeziehungen stärken — durch Vereine, kommunale Begegnungsangebote, Nachbarschaftsinitiativen. Es geht nicht um Mitleid. Es geht um eine Gesellschaft, in der Alleinleben kein struktureller Risikofaktor ist.

Was bedeutet das konkret für dich?

Wenn du Single bist und dir eine Partnerschaft wünschst: Du bist in guter Gesellschaft — und die Suche hat oft strukturelle Gründe, die wenig mit dir als Person zu tun haben. Männer unter dreißig suchen besonders häufig und haben statistisch mehr Konkurrenz. Frauen in den Dreißigern haben es demografisch etwas leichter — aber das ist kein Anlass für Druck, nur ein Punkt für nüchternen Realismus.

Wenn du bewusst Single bist: Rund ein Drittel aller Singles in Deutschland trifft diese Entscheidung — und Frauen tun das häufiger und mit mehr Zufriedenheit als Männer. Das ist keine Ausnahme und kein Defizit. Es ist eine Lebensform.

Was in beiden Fällen hilft: Soziale Netzwerke jenseits von romantischen Beziehungen aktiv zu pflegen. Die Zufriedenheit mit dem Singleleben hängt nicht nur davon ab, ob man eine Partnerschaft sucht oder nicht. Sie hängt davon ab, wie gut man insgesamt eingebunden ist — in Freundschaften, Gemeinschaft, Alltag.

Was aktuelle Forschung dazu sagt, ob Singles wirklich unzufriedener sind als Paare, haben wir hier aufgedröselt: Sind Singles glücklicher als Paare?

Häufige Fragen

Wie viele Menschen in Deutschland sind Single?

Laut dem FReDA Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Juli 2026) sind 21 Prozent der 20- bis 54-Jährigen in Deutschland Single. Unter den 20- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 42 Prozent, bei den 40- bis 54-Jährigen nur noch bei 11 Prozent.

Warum sind Männer häufiger Single als Frauen?

Das BiB nennt zwei Hauptgründe: Männer gehen im Schnitt später Partnerschaften ein, und es gibt in jüngeren und mittleren Altersgruppen einen leichten Männerüberschuss. Hinzu kommen selektivere Partnerpräferenzen bei Frauen, die Männern mit niedrigerem Sozialstatus die Partnersuche zusätzlich erschweren können.

Wollen alle Singles eine Partnerschaft?

Nein. Rund zwei Drittel der Singles in Deutschland wünschen sich laut BiB-Studie eine Partnerschaft — aber etwa ein Drittel möchte bewusst allein bleiben. Frauen sind dabei häufiger mit ihrem Singledasein zufrieden als Männer.

Woher stammen die Daten?

Die Daten stammen aus dem FReDA-Panel — dem familiendemografischen Panel des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Es handelt sich um eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung, die 2024 erhoben wurde.

Quellen anzeigen
  • Frembs, L. & Ruckdeschel, K. (Hrsg.) (2026). Single ist nicht gleich Single: Zwischen Partnerwunsch und hoher Singlezufriedenheit. FReDA Policy Brief, Juli 2026. BiB. bib.bund.de
  • Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (02.07.2026). Pressemitteilung: Neue Daten zeigen Vielfalt des Singleseins. bib.bund.de
  • taz (02.07.2026). Singles: häufiger jung und männlich. taz.de