Ob Partnerschaft glücklich macht, hängt auch vom Wohnort ab

Menschen in einer Partnerschaft sind zufriedener als Singles – das ist bekannt. Aber wie stark dieser Unterschied ausfällt, hängt laut einer neuen Studie davon ab, wo man lebt.

Paar schlendert lächelnd durch eine sonnige Altstadt-Fußgängerzone, weitere Paare im Hintergrund
Wer in einer Region lebt, wo Paare der Normalfall sind, profitiert davon offenbar stärker als anderswo Foto: KI generiert

Auf einen Blick: Eine Studie der Universitäten Bamberg, Jena, Cambridge und St. Gallen mit über 382.000 Teilnehmern zeigt: Menschen in Partnerschaften sind überall zufriedener als Singles – aber in Regionen, wo viele Paare leben, ist der Unterschied deutlich größer. Der Grund liegt offenbar nicht bei den Singles, sondern bei den Paaren selbst: Sie profitieren in solchen Umgebungen noch stärker. Die Forschenden vermuten, dass regionale Beziehungsnormen dahinterstecken.


Ob eine Beziehung glücklich macht, ist keine rein persönliche Frage – sie hängt auch davon ab, wo man lebt. Das ist das Kernresultat einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Psychological Science erschienen ist.

Geleitet wurde die Untersuchung von Dr. Tita Gonzalez Avilés vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Bildung und Lernen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, gemeinsam mit Forschenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der University of Cambridge und der Universität St. Gallen.

Was die Studie gemacht hat

Grundlage waren Daten aus dem Big Personality Test – einer großangelegten Online-Studie der University of Cambridge in Zusammenarbeit mit der BBC. Das Forschungsteam wertete Angaben von mehr als 382.000 Menschen aus 379 Regionen Großbritanniens aus.

Die Forschenden verglichen die allgemeine Lebenszufriedenheit von Singles und Menschen in einer romantischen Beziehung – unabhängig vom Familienstand. Dann setzten sie diese Werte in Relation zum Anteil verpartnerter Personen in der jeweiligen Region.

Um Verzerrungen auszuschließen, kontrollierten sie für Alter, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Persönlichkeitsmerkmale. Zusätzlich überprüften sie ihre Ergebnisse in 218 Londoner Stadtteilen – einer deutlich kleinräumigeren Ebene.

Paare profitieren regional, Singles kaum

Das Grundmuster bestätigt, was frühere Studien bereits zeigten: Menschen in einer Partnerschaft berichten im Durchschnitt eine höhere Lebenszufriedenheit als Singles – und das unabhängig vom Wohnort.

Das Neue liegt im regionalen Vergleich: In Gebieten, wo besonders viele Menschen in einer Beziehung leben, ist der Zufriedenheitsunterschied zwischen Paaren und Singles deutlich größer. Und dieser Effekt geht fast vollständig von der Paar-Seite aus: Paare sind in solchen Regionen noch zufriedener. Bei Singles zeigen sich dagegen kaum regionale Unterschiede.

Kurz gesagt: Wer in einer Beziehung ist, profitiert davon stärker, wenn das Umfeld ebenfalls voll von Paaren ist. Wer Single ist, verändert seine Zufriedenheit kaum – egal wo er lebt.

Das Ergebnis bestätigte sich auch auf der Ebene der 218 Londoner Stadtteile. Das spricht dagegen, dass die Unterschiede nur auf großen geographischen oder kulturellen Gegensätzen zwischen Regionen beruhen.

Soziale Normen als Erklärung

Was steckt dahinter? Die Forschenden sehen einen möglichen Mechanismus in regionalen Beziehungsnormen. „Menschen leben nicht losgelöst von ihrem Umfeld. Regionale Normen und soziale Erwartungen können beeinflussen, wie Menschen ihre eigene Lebenssituation wahrnehmen und bewerten", erklärt Studienleiterin Tita Gonzalez Avilés.

Die Idee: Wo eine Partnerschaft der gesellschaftliche Normalfall ist, erhält sie auch mehr soziale Bestätigung. Wer in einer Beziehung lebt, befindet sich dort im Einklang mit dem, was das Umfeld erwartet – das kann das Wohlbefinden stärken, unabhängig von der Beziehungsqualität selbst.

Diese Erklärung passt zur beobachteten Asymmetrie: Paare reagieren auf das Umfeld, Singles tun es nicht. Wenn es schlicht darum ginge, dass in paar-reichen Regionen bessere Lebensbedingungen herrschen, müsste auch die Zufriedenheit der Singles steigen. Das ist aber nicht der Fall.

Was das für Singles bedeutet

Die Studie belegt keinen negativen Effekt auf Singles in paar-reichen Regionen. Ihre Zufriedenheit bleibt regional stabil. Wer Single ist, verliert in Umgebungen mit vielen Paaren nicht – die Paare gewinnen dort schlicht zusätzlich.

Was die Untersuchung jedoch deutlich macht: Wohlbefinden ist kein rein individuelles Phänomen. Ob die eigene Lebenssituation als befriedigend erlebt wird, hängt auch davon ab, ob sie dem gesellschaftlichen Umfeld entspricht. Das stellt frühere Forschung, die sich vor allem auf Persönlichkeit, Bindungsstil oder Beziehungsqualität konzentrierte, nicht infrage – ergänzt sie aber um eine soziale Dimension.

Für die Debatte, ob Singles in Deutschland unglücklicher sind als Paare, liefert die Studie eine wichtige Differenzierung: Ob Singles glücklicher oder unglücklicher sind als Paare ist keine einfache Frage – und hängt auch davon ab, in welcher Gesellschaft und Region man diese Frage stellt.

Häufige Fragen

Was hat die Bamberger Studie untersucht?
Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Dr. Tita Gonzalez Avilés (Uni Bamberg) hat untersucht, ob der Unterschied in der Lebenszufriedenheit zwischen Singles und Paaren mit dem Wohnort zusammenhängt. Dafür wurden Daten von über 382.000 Menschen aus 379 britischen Regionen ausgewertet.
Was ist das Hauptergebnis der Studie?
Paare sind überall zufriedener als Singles – aber in Regionen, wo viele Menschen in Beziehungen leben, fällt dieser Unterschied deutlich größer aus. Der Effekt geht dabei fast ausschließlich von der Paar-Seite aus: Paare sind in paar-reichen Regionen noch zufriedener. Die Zufriedenheit von Singles variiert kaum je nach Region.
Warum sind Paare in paar-reichen Regionen zufriedener?
Die Forschenden vermuten, dass regionale Beziehungsnormen eine Rolle spielen. Wo eine Partnerschaft besonders verbreitet ist, gilt sie stärker als gesellschaftlicher Normalfall – und Menschen, deren Lebenssituation dieser Norm entspricht, erfahren möglicherweise mehr soziale Bestätigung.
Bedeutet das, dass Singles in Regionen mit vielen Paaren unglücklicher sind?
Nein, das zeigt die Studie nicht. Singles berichten unabhängig vom Wohnort eine ähnlich hohe Lebenszufriedenheit. Was variiert, ist die Zufriedenheit der Paare – nicht die der Singles.
Wo wurde die Studie veröffentlicht?
Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Psychological Science. Neben der Universität Bamberg waren die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die University of Cambridge und die Universität St. Gallen beteiligt.
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